SDW

Der Schweizerisch-Deutsche Wirtschaftsclub e. V. fördert die wirtschaftlichen Beziehungen und den Erfahrungsaustausch sowohl der Mitglieder des Vereins untereinander als auch mit anderen Vereinigungen ähnlicher Zielsetzung zwischen der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland. Neben Vorträgen, Diskussionen und sonstigen Veranstaltungen organisiert der SDW München Kontakte zur Presse, zu Behörden und Verbänden und Vereinigungen der Wirtschaft sowohl in der Schweiz als auch in der Bundesrepublik Deutschland.

Künftige Veranstaltungen

10. Mai 2016:
Vortrag von Dr. Florian Mercker zum Thema „Nationalität eines Kunstwerks. Kulturgutschutz und Kunstmarkt in Deutschland und der Schweiz“

09. Juni 2016:
Mitgliederversammlung mit Neuwahlen sowie Vortrag von Prof. Dr. Egon Endres zum Thema “Erfolgsbausteine des Netzwerkmanagements”

15. Juli 2016:
Fest zum 40jährigen Club-Jubiläum

15. September 2016:
Vortrag von Dr. phil. Werner Troxler zum Thema “Einfach führen. Wie aus Managerinnen und Managern gute Führungskräfte werden”.

20. Oktober 2016 :
Besichtigung im Bayerischen Rundfunk (Hörfunk)

17. November 2016 :
Vortrag von Stefan Huber zum Thema : „Erfahrungen eines Schweizers bei der Firmengründung in Deutschland“

Vortrag Ruth Diggelmann am 5. April 2016: Die Deutsche Bahn – Projekt „Erdinger Ringschluss“

Vortrag Ruth Diggelmann am 5. April 2016: Die Deutsche Bahn – Projekt „Erdinger Ringschluss“
SDW Clubmitglied Ruth Diggelmann ermöglichte uns mit der Präsentation eines hochaktuellen Projekts der Deutsche Bahn AG einen interessanten Einblick in das heute weltweit führende Mobilitäts-und Logistikunternehmen. Mit über 300.000 Mitarbeitern, davon rund 200.000 in Deutschland, stellt die DB täglich Mobilität und Logistik für ihre Kunden bereit. Ein funktionierendes Schienenverkehrsnetz ist dafür Voraussetzung. Hier kommt Ruth Diggelmann ins Spiel. Seit Planungsbeginn im August 2006 trägt sie die Verantwortung für das Bahninfrastrukturprojekt „Erdinger Ringschluss“, welches die Schienenanbindung des Münchner Flughafens im Erdinger Moos erheblich verbessern soll.

Rund 40 Teilnehmer, darunter der amtierende Generalkonsul Frank Nohl, hatten sich zum Club-Vortrag „Erdinger Ringschluss“, wie gewohnt im Paulaner am Nockherberg eingefunden. Dieses Mal nicht im traditionellen Kaminzimmer, sondern im Raum München, wo SDW Clubpräsident Jürgen Schneider uns die gelernte Tiefbauingenieurin Ruth Diggelmann als erfahrene Managerin komplexer Bauvorhaben vorstellte.

Sie erläuterte in ihrem Vortrag sehr anschaulich, wie das Projekt im einzelnen aussieht: Der „Erdinger Ringschluss“ ist als rund 30 km lange, zweigleisige Bahnstrecke geplant, die teilweise neu gebaut werden muss. Dieser Ringschluss soll Freising über den Flughafen München mit Erding verbinden. Zum einen geht es dabei um die direkte, umsteigefreie Anbindung Nordost-Bayerns an den Flughafen München für den regionalen Personenverkehr. Dafür ist die „Neufahrner Nordkurve“ vorgesehen. Die Reisenden aus Regenburg oder anderen Städten im Nordosten Bayerns brauchen nach deren Fertigstellung nicht mehr über München zu fahren, um den Flughafen zu erreichen. Zum anderen geht es um die Verlängerung der S 2 bis zum Flughafen, die jetzt bereits in Erding endet. Geplant ist außerdem eine direkte, umsteigefreie Anbindung Südost-Bayerns an den Flughafen für den Personenverkehr, die „Walpertskirchener Spange“. Nach deren Fertigstellung müssen auch die Reisenden aus Südost-Bayern, aus Städten wie Mühldorf, Freilassing, auf dem Weg zum Flughafen nicht mehr den Umweg über München nehmen.

Die Referentin wurde von ihrem Vorgesetzten bei der DB, Bernd Pfeifer, und ihrer Mitarbeiterin Maria Corts-Bernia begleitet, welche sie tatkräftig bei der Präsentation unterstützte. Das auf den ersten Blick eher trockene Thema brachte sie sehr locker, entspannt und witzig rüber. Es wurde deutlich, dass sie sich voll mit diesem wichtigen Schienenprojekt persönlich stark identifiziert. Kein Wunder, dass es inzwischen quasi „ihr Baby“ geworden ist. Schließlich leitet sie das Projekt seit fast 10 Jahren.

Schaut man bei einem solchen Riesenvorhaben einmal genauer hin, scheint es fast unglaublich, was dabei alles auf die Reihe zu bringen ist: Land muss gekauft werden. Mit den Eigentümern, zumeist Bauern, sind die fälligen Entschädigungen auszuhandeln. Klappt dies nicht, muss in letzter Instanz ein Enteignungsverfahren durchgeführt werden. Weiterhin sind inzwischen mehr als 150 Einwendungen aufgelaufen, die bearbeitet werden müssen. Gefährdete Tiere, die unter Schutz stehen, müssen auf geeignete Ausgleichsflächen umgesiedelt werden. Leicht überspitzt gesagt, bedeutet das: erst wenn der letzte Vogel und die letzte Zaun-Eidechse das Gebiet verlassen haben, kann es weitergehen. Und dann gibt es auch immer wieder Sonderwünsche. Die Stadt Erding möchte z.B. einen Tunnel für die neue Strecke. „Kein Problem“, meint Ruth Diggelmann lapidar, „wenn sie es bezahlen“. Für all diese Aufgaben trägt unser Clubmitglied die Verantwortung. Anhand von informativen Fotos brachte sie uns die Vielfalt des Projekts noch näher.

Unser Resümee lautet: ohne Ruth Diggelmann wäre das Projekt wohl nicht so weit fortgeschritten wie jetzt.

Ein spannender, sehr lehrreicher Abend, an dem wir hinter die Kulissen dieses gigantischen Bahnprojekts blicken durften. Zur Vertiefung unserer gewonnenen Einsichten hat uns Ruth Diggelmann zu einer Besichtigung der Baustelle eingeladen, die am 30.04.2016, Treffpunkt an der U-Bahn-Station „Nordfriedhof“ um 13.00 Uhr, stattfinden wird (sh. dazu das bereits übersandte Mail vom 12.04.2016).

Thomas Ruhnke

10. März 2016: Vortrag Dr. Michael Kausch zum Thema „Reputationsmanagement und Krisenkommunikation in Zeiten sozialer Netze“

Die erste Vortragsveranstaltung 2016 traf auf großes Interesse. Insgesamt kamen über 40 Mitglieder und Gäste, darunter auch Generalkonsul Adjunkt Roland Fischer und Konsul Frank Nohl, ins vom Holzfeuer erwärmte Kaminzimmer im Paulaner am Nockherberg. „Ein Unternehmer durch und durch.“ Mit diesen Worten stellte SDW Clubpräsident Jürgen Schneider den Referenten Dr. Michael Kausch vor. Er ist heute Agenturinhaber und Geschäftsführer der vibrio.Kommunikationsmanagement Dr. Kausch GmbH (http://www.vibrio.eu); vorher war er bei Microsoft in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Marketingkommunikation tätig. Seine Agentur konzentriert sich auf strategische und konzeptionelle Unternehmensberatung und Coaching im Bereich integrierter Unternehmens- und Marketingkommunikation, auf Krisen-PR sowie auf strategisches Social Media Marketing.
Warum ist Reputationsmanagement und Krisenkommunikation in Zeiten sozialer Netze so wichtig? Kommunikationswege haben sich rasant verändert. Immer mehr Menschen weltweit nutzen soziale Medien – Stichworte sind hier beispielsweise Facebook und WhatsApp, die die Internetwelt dominieren. Diese Online-Medien sind schon jetzt zu führenden Informationsquellen geworden. Im Netz redet heute jeder mit jedem. Persönliche Empfehlungen, die dort veröffentlicht sind, werden schon zu 50 Prozent bei Kaufentscheidungen berücksichtigt. Es geht im Netz immer mehr um Erlebnisse, Erfahrungen und Stories. Das trifft auch für die Beziehungen von Unternehmen untereinander zu (B-to-B). Mit der Konsequenz, dass die Kommunikation immer mehr personalisiert und emotionalisiert wird. Außerdem wird die Trennung zwischen Unternehmens- und Mitarbeiterkommunikation aufgehoben und Multi Channel (Dialog auf mehreren Kanälen) wird immer mehr zum Standard.
Was heißt das für Unternehmen? Neue Regeln im Umgang mit Social Media sind notwendig. Es bedarf neuer Kommunikations-Tools wie Monitoring und Publishing. Auch neue Geschäftsprozesse müssen entstehen und Hierarchien sich verändern. Das kann Machtzuwachs bei den Mitarbeitern und Individualisierung von Kompetenzen mit sich bringen. Es ist heute unbedingt notwendig, seinen Ruf im Internet kontinuierlich zu stärken – auf allen Kanälen. Von Facebook und Twitter bis zu Blogs und Bewertungsforen. Hier werden die Meinungen gemacht. Und negative Kommentare abgegeben, die weh tun können. Wichtig zu wissen ist: Um wen handelt es sich, der sich zu meinem Unternehmen und meinen Produkten äußert? Ist es gerechtfertigte Kritik oder nur reine Provokation? Sind es „Trolle“, die vernichten, sich rächen wollen? Wutbürger, für deren Abwehr es differenzierte Strategien braucht? Oder sind es kritische Kunden, die nur zu ihrem Recht kommen wollen, da sie sich übervorteilt fühlen?
Insbesondere wenn negative Äußerungen sich zum Sturm, zum so genannten Shitstorm ausweiten, wenn Firmen das – mangels geeignetem Monitoring – aber zu spät merken, dann lauern unkalkulierbare Risiken. Manche Vorwürfe erweisen sich bei Überprüfung durchaus als richtig:
Z. B. Kritik an ungeeigneten Vertriebsstrukturen. Dann hilft nur eins: Diese Strukturen ändern! Kommunikations- und Presseabteilungen brauchen Leute, die mit den sozialen Medien gut vertraut sind und die auf Netzgefahren adäquat reagieren können. Manche Netz-User kennen sich bei bestimmten Produkten, auch das kommt häufig vor, ebenso gut aus wie die Profis in den Unternehmen. Diese Leute gilt es unbedingt ernst zu nehmen und auch als Content-Lieferanten zum Nutzen des Unternehmens einzubinden. Früher machtlose Kunden, das zeigen viele Beispiele, sind heute mächtiger denn je und können sich vehement wehren und dem Unternehmen dabei massiv schaden. Ein gutes, rechtzeitig etabliertes Reputationsmanagement stärkt in der Krise. Deshalb gilt es für Unternehmen frühzeitig auf möglichst vielen Kanälen für den richtigen Content und geeignete Follower zu sorgen.
„Werden Sie social kings, die Trolle sind es schon!“ lautete der ultimative Ratschlag von Dr. Kausch, den er dem Auditorium mit auf den Weg gab. Die Nützlichkeit dieses Hinweises hat er uns an mehreren praktischen Beispielen eindrucksvoll demonstriert. Dazu gehört auch mal Härte zu zeigen. Die anschließende lebhafte und lang andauernde Diskussion zeigte, dass das Thema einen zentralen Nerv der Zeit getroffen hat. Die vielen weiteren diskutierten Themen fanden erst ein Ende, als das Restaurantpersonal durch lebhaftes Gestikulieren deutlich machte, dass sich die bestellten Gerichte nicht mehr länger warm halten ließen. So hat sich letztlich die reale Welt gegenüber der virtuellen an diesem Abend doch wieder einmal durchgesetzt.

Thomas Ruhnke

Aschermittwochs-Fischessen 2016 im Barestovino

Jedes Jahr wieder die spannende Frage: Wo findet das traditionelle Aschermittwochs-Fischessen des Clubs statt? Diesmal fiel die Wahl auf ein sehr gediegenes Lokal, das Barestovino, das nicht im Touristenstrom liegt, sondern in einer der ruhigen Ecken des Lehel: zwischen Isartor und Max-Monument, in der Thierschstraße. Mit dem Namensgeber der Straße, dem berühmten Architekten und Maler Friedrich von Thiersch, machte SDW München-Clubpräsident Jürgen Schneider die rund 40 Mitglieder und Gäste, darunter auch Generalkonsul Adjunkt Fischer und Konsul Nohl, bei seiner Begrüßung näher bekannt. Thiersch zeichnet verantwortlich für einige bekannte Bauwerke Münchens wie das Bernheimer-Palais und den Justizpalast. Darüber hinaus baute er Brücken in der Stadt wie die Cornelius- und die Maximiliansbrücke.
Einen Beitrag zum Brückenbauen soll ja auch das im Clubleben des SDW München etablierte Fischessen am Aschermittwoch leisten. Wichtige Voraussetzung dafür: Ein gemütliches, gepflegtes Restaurant , das den dazu passenden Rahmen liefert. Das Barestovino, dessen Namens-Trias aus den räumlichen Gegebenheiten entstanden ist: eine kleine Bar (=Bar) samt Theke und Bistrotischen im Eingangsbereich, ein Restaurantbereich (= resto) und schließlich ein Weinkeller (= vino). Der Schwerpunkt im Barestovino liegt allerdings ganz klar auf der Abteilung “Resto”. Und diese Abteilung ist absolut vorzüglich, was wir beim Club-Aschermittwochs-Event selbst testen und bestätigen konnten.
Jöel Bousquet, der aus Paris stammende Inhaber und Gastronom, verwöhnte uns in behaglicher Atmosphäre mit einer Vorspeise aus Lachsvariationen (Tartar und Lachs im Brickteig) mit weißer Beete und zum Hauptgang mit Winterkabeljau auf Süßkartoffel-Püree und Vanille-Beurre-Blanc. Als Nachspeise stand Passionsfrucht-Milchreis, Ananas und exotisches Sorbet auf der Karte. „Absolut vorzüglich“, so der allgemeine Tenor. Damit bewies das Barestovino, ein guter Tipp in der Münchner Gastronomieszene der Spitzenklasse zu sein!
Die Inspektoren des Guide Michelin haben das genauso gesehen und das Lokal völlig zu Recht für seine „sympathische Atmosphäre und die schmackhaften, traditionell-französischen Gerichte und Weine“ ausgezeichnet. Also genau die richtige Auswahl für einen nicht nur kulinarisch interessanten Abend in gelöster Stimmung mit guten Gesprächen. Mal sehen, wo wir uns im nächsten Jahr zum Fischessen wiedersehen werden.
Thomas Ruhnke

14. Januar 2016 – Vorstellung neuer Mitglieder

Die Vorstellung neuer Mitglieder steht traditionell als Jahresauftaktveranstaltung auf unserem Clubprogramm. Ein wichtiger Indikator für die Vitalität unseres Clubs! Nahezu 40 Mitglieder und Gäste konnten die gemütliche Atmosphäre im Kaminzimmer des Paulaner am Nockherberg genießen. 2015 wurden neun neue Mitglieder gewonnen, fünf davon, ein Firmen- und vier Einzelmitglieder, stellten sich an diesem Abend vor.

Bei seiner Begrüßung informierte Clubpräsident Jürgen Schneider über eine personelle Veränderung im Schweizer Generalkonsulat. Generalkonsul Fabian Osterwalder wurde zum Jahrswechsel nach Bern beordert. Generalkonsul Adjunkt Roland Fischer wird übergangsweise dessen Funktion in München wahrnehmen. Herr Fischer war vorher u. a. in Uruguay, im Irak und in Brasilien diplomatisch tätig.

Als Erste stellte sich die gebürtige Züricherin Ruth Diggelmann vor. Von der Schweizer Bundesbahn wechselte sie Anfang des neuen Jahrtausends zur Deutschen Bahn, über Berlin nach München. Hier leitet sie das wichtige Projekt “Ringschluss um den Münchner Flughafen“. Im April wird sie uns in einem Vortrag die Deutsche Bahn näher bringen.

Als weiteres Neumitglied lernten wir Michael Märzheuser kennen, der seit über 30 Jahren in der Medienwelt tätig ist. Vor seiner selbständigen Beratertätigkeit absolvierte er als Journalist und Pressesprecher verschiedene berufliche Stationen: Bayerischer Rundfunk, Aufbau des Radiosenders Antenne Bayern sowie des Deutschen Sportfernsehens, fünf Jahre Pressereferent für die Unionsfraktionen im Deutschen Bundestag in Bonn. Über einen Wohnsitz in der Schweiz ist er mit dem Land eng verbunden. (www.maerzheuser.com)

Der studierte Physiker Dr. Dirk Szynka folgte in der Vorstellungsrunde. Als Patentanwalt und Partner der Kanzlei König • Szynka • Tillmann • von Renesse mit Standorten in Düsseldorf und München (www.ksvr.net), leitet er den Münchner Standort und betreut eine Reihe Schweizer Mandanten aus dem Raum Zürich.

Weiter ging es mit Dr. Peter Zurhorst, Geschäftsführer der Z Invest-Consult GmbH. Seine Firma berät Unternehmen der Finanzdienstleistungsbranche, insbesondere international tätige Asset Management- und Fondsgesellschaften. Einigen von uns ist er schon in seiner weiteren Funktion als Präsident des Alumni-Kreises der renommierten Hochschule St. Gallen (www.hsgalumni.ch) bekannt. Der SDW München pflegt seit einiger Zeit eine erfolgreiche partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Kreis der St. Galler Ehemaligen. In seinen Studientagen in St. Gallen, wo er sieben Jahre gelebt hat, bekam Dr. Zurhorst den Spitznamen “Gallus”, der ihm bis heute geblieben ist.

Last but not least kann der SDW auch ein neues Firmenmitglied begrüßen: die Broadcast Germany AG mit Sitz im Schweizerischen Pfäffikon (www.broadcast-germany.ch). Vertreten wurde das Unternehmen durch die Verwaltungsräte Roland Huber und Urs Brütsch, die beide Schweizer Staatsbürger sind. Die Broadcast Germany AG hat eine exklusive Vermarktungspartnerschaft mit der BRmedia GmbH, einer Tochtergesellschaft des Bayerischen Rundfunks. Als Vertreter dieser Gesellschaft stellte Peter Jakob, der ebenfalls zur Vorstellung mitgekommen war, die Zusammenarbeit zwischen beiden Firmen vor. Anschließend referierte Roland Huber über die Broadcast Germany AG, deren Ziel die Unterstützung der Schweizer Exportwirtschaft durch die Vermittlung von insbesondere Radiowerbung im BR ist. Zu hören bekamen wir einen der typischen Werbespots, die eine Länge von rund 20 Sekunden haben und “auf den Punkt gebracht” sind. Urs Brütsch, der in seiner Freizeit auch Alphorn bläst, überraschte die Anwesenden mit einer ganz speziellen Darbietung; er spielte auf einem “Schlauchalphorn” – hier ist das Endstück eines Alphorns mit einem Gartenschlauch verbunden. Zu guter letzt lud Peter Jakob den SDW noch zu einer Besichtigung des Bayerischen Rundfunks ein. Darauf können wir uns freuen. Das Jahr fängt für den SDW also sehr gut an.

2016-01-19
Verfasser: Thomas Ruhnke

9. Dezember 2015: Weihnachtsfeier in der Insel Mühle

Alle Jahre wieder…. dieses Jahr fiel die Wahl des Ortes für unsere traditionelle Clubweihnachtsfeier auf das Restaurant Insel Mühle im Münchner Westen. Im historisch anmutenden Gewölbekeller fand sich der stimmungsvolle Rahmen für eine wieder einmal sehr gemütliche Feier unter Freunden, Mitgliedern und Gästen.
Nach Warmlaufen mit Glühwein, Punsch und Prosecco ließ SDW-Präsident Jürgen Schneider noch einmal „ein abwechslungsreiches Clubjahr 2015 mit zahlreichen Höhepunkten“ Revue passieren. Immer wieder erstaunlich, was in einem Clubjahr so alles Platz findet! Stellvertretend seien hier die erlebnisreiche Clubreise nach Zürich und in die Innerschweiz sowie das Sommerfest auf der Dachterrasse des Schweizerischen Generalkonsulates erwähnt, welche viele noch als besonderes Highlight in bester Erinnerung haben. Jürgen Schneider freute sich, Generalkonsul Fabian Osterwalder und Konsul Frank Nohl im Kreis der rund 50 Feiernden begrüßen zu können. Inzwischen fast schon so etwas wie gelebte Tradition und auch Anerkennung für die Arbeit des Clubs. Danke!
Weiter ging’s mit Festmenü und Beiprogramm. Nach der Vorspeise, Wildkraftbrühe mit Tramezzini und Kräutern, stand eine nette, unterhaltsame, bayrisch gefärbte Weihnachtsgeschichte an: „Hasenadvent“, die Geschichte über den Hasen Löffelmeier vom Wasserburger Mundartdichter Lukas Meier, gekonnt vorgetragen von unserem Mitglied Erika Schindecker. Danach ging’s kulinarisch weiter: Rehkeule, gebratenes Filet von der Goldforelle, Rinderfilet oder wahlweise vegetarisch gebratene Kartoffeltrüffel-Kissen und zum Abschluss eine Schokotarte mit Waldhimbeerkompott und Mascarponeeis fand sich auf der weihnachtlichen Speisekarte.
Überraschend kam dann noch ein stilecht gewandeter Nikolaus zu uns ins Gewölbe. Er überbrachte Weihnachtsgrüße aus der Schweizer Sektion des Himmels und warf auch gleich noch seine Bewerbung als Pressesprecher des SDW München in den Ring. Er wolle nicht nur „Größe und Bedeutung des SDW noch besser verkaufen“ als bisher, sondern auch bei der im nächsten Jahr anstehenden 40-Jahr-Feier des Clubs seine umfängliche Expertise einsetzen. Anschließend zitierte er aus dem Buch der guten Taten und verlas die Wunschzettel der einzelnen Vorstandsmitglieder an das Christkind. Zur Freude der Zuhörer ließen sich aus den vorgetragenen Wünschen so manche persönliche Stärken und Schwächen herauslesen. Wirklich intelligente Realsatire.
Riesenapplaus belohnte den Nikolaus für seinen gelungenen Auftritt. Wer steckte nun hinter der Verkleidung? Es war…. Clubmitglied und SchweizerVereins-Vizepräsident Gerhard Wüst, der uns auch schon vor zwei Jahren mit einem Auftritt erfreute. Auf die diesmal so überzeugend vorgetragene Bewerbung als SDW-Pressechef reagierte Jürgen Schneider in seiner Dankadresse schlagfertig: „Wir engagieren Dich vom Fleck weg, aber wir zahlen Dir nichts“. Die Feier war noch lange nicht zu Ende. In angeregter Unterhaltung ging das adventliche Treffen weiter bis in die mitternächtliche Stunde hinein. Als Abschiedspräsent gab es vom Gabentisch köstliche Nürnberger Lebkuchen mit auf den Heimweg.

4. November 2015: Vortrag „Standortförderung in der Schweiz – Welche Vorteile hat eine Ansiedlung in der Schweiz?“

Am wohlige Wärme verbreitenden flackernden Kaminfeuer lässt es sich ablesen: Das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Und auch die Reihe der SDW München Vortragsveranstaltungen 2015. Mit dem Novembervortrag „Standortförderung in der Schweiz“ gelingt als Schlusspunkt ein wirkliches Highlight, sowohl thematisch als auch von der Präsentation her.
Das urige Kaminzimmer im Paulaner am Nockherberg ist randvoll gefüllt mit Mitgliedern und Gästen – auch Generalkonsul Fabian Osterwalder ist mit dabei. Alle erleben eine abwechslungsreiche, sehr informative Präsentation von drei hochkarätigen, ausgewiesenen Fachleuten auf dem Gebiet der Investitions- und Standortförderung.
Zum Vortragsteam gehören: Tobias Rühmann, Leiter von Switzerland Global Enterprise mit Sitz in Stuttgart sowie unsere beiden Mitglieder Rolf Bühler von der Greater Zurich Area AG und Peter Koch von der Wirtschaftsförderung Thurgau. Alle drei sitzen nicht nur im gleichen Boot der „Standortförderung Schweiz“, sondern frönen zuweilen auch zusammen – in einem realen Boot! – ihrem gemeinsamen Hobby Rudern, wie uns Clubpräsident Jürgen Schneider bei der Begrüßung wissen lässt.
Die Standortförderung des Bundes unterteilt sich in verschiedene Aktivitätsfelder: Exportförderung und Standortpromotion, KMU-Politik, Tourismuspolitik, Regional- und Raumordnungspolitik. Dazu einige ausgewählte Maßnahmen: Kleinere und Mittlere Unternehmen (KMU) können durch Bürgschaften und administrative Entlastung unterstützt werden. Auch im Tourismus kann es Geld für ausgewählte Projekte geben: Zum Beispiel für landschaftlich reizvolle E-Bike-Routen in Nationalparks oder auch mal zum Ausbau von landschaftlich schön gelegenen Heuschobern, um sie zum Übernachten geeignet zu machen. Im Rahmen von Regional-und Raumordnungsprogrammen soll die Wettbewerbsfähigkeit der Regionen gestärkt werden. Hierunter fallen dann Projekte wie die wirtschaftliche Stützung von Seilbahnen, die für den Tourismus bedeutsam sind, sich aber wirtschaftlich nicht rechnen.
Hohe ProfessionaIität verlangt insbesondere die im internationalen Wettbewerb stehende Standortpromotion. Andere europäische Standorte wie die irische Metropolregion Dublin konkurrieren mit fast schon unmoralischen Angeboten: „… any person who introduces a company to ConnectIreland which creates jobs in Ireland the Irish Government will pay a minimum of Euro 1’500 per job….” Es gilt also alle Register zu ziehen, um im harten Ansiedlungswettbewerb mithalten zu können. Die Schweiz steht ohne Zweifel durch objektivierbare Kriterien in vorderster Reihe: Politische Stabilität und Rechtssicherheit, Zugang zu Schlüsselmärkten und hervorragende Infrastruktur, gut ausgebildete Arbeitskräfte, sehr hohe Lebensqualität und attraktive steuerliche Rahmenbedingungen machen die Schweiz zum exzellenten Standort. Aber dies alleine garantiert nicht immer den Erfolg. Ein Argument allerdings ist unschlagbar: „Das Matterhorn gibt es eben nur in der Schweiz“, wie Rolf Bühler es mit einem Augenzwinkern formuliert. Das mache das Land als Standort einzigartig.
Für welche Unternehmen ist die Schweiz besonders attraktiv? Für Unternehmen mit umfangreicher Wertschöpfung. Auch für solche, die eine zentrale Lage in Europa suchen sowie für Unternehmen, die Bedarf an Führung und Finanzierung ihrer weltweit verteilten Wertschöpfungsketten haben. Es ist aber ein kundenorientiertes, wie ein Uhrwerk verzahntes, Standortmarketing erforderlich, um mit der Botschaft „die Schweiz ist die richtige Standortwahl“, den Unternehmer zur Ansiedlungsentscheidung zu veranlassen.
Hauptbeteiligte in diesem komplexen Überzeugungsprozess sind Switzerland Global Enterprise, kantonale, regionale und städtische Wirtschaftsförderung, Regionen, diplomatische Vertretungen und Multiplikatoren. Die richtige Orchestrierung der von Fall zu Fall jeweils sehr individuellen Vorgehensweise bringt dann den Erfolg. Beispielhaft sei hier ein renommiertes Unternehmen wie die schwäbische Firma Stihl genannt, die heute auf die Produktion der hochwertigen Ketten ihrer Sägen in der Schweiz setzt. Durch erzielte hohe Produktivität und Spitzenqualität geht die Rechnung für Stihl auf. Aber auch für die Schweiz. Die Unternehmensberatung McKinsey hat das einmal exemplarisch am volkswirtschaftlichen Potenzial eines angesiedelten Hauptsitzes durchgerechnet: 100 direkte neue Arbeitsplätze eines Headquarters ziehen indirekt weitere 350 bis 400 neue Stellen nach sich. Dies schlägt sich in einem Gesamtnutzen beim volkswirtschaftlichen Bruttoinlandsprodukt von respektablen 75 bis 80 Millionen CHF pro Jahr nieder.
Ein spannendes, hochinteressantes Thema, das auch noch zu reger Diskussion führte. Themen wie der Umgang Schweizer Steuerbehörden mit Fragen und Problemen ihrer Kunden, Steuereffizienz der Schweiz, die Fachkräftefrage besonders im IT-Bereich, der Nutzen des Freihandelsabkommens zwischen China und der Schweiz kamen hier noch zur Sprache. Durchaus genügend Stoff also, das Thema Standortförderung in der Zukunft wieder einmal aufzugreifen.

Th. Ruhnke

6. Oktober 2015: Vortrag von Wolfgang F. Carrier zum Thema „350 Jahre Uhrmacherei im Schweizer Jura“

Eine goldene, reich verzierte, alte Schweizer Luxustaschenuhr als Standbild auf der Leinwand. Der große Saal im Schweizer Haus des traditionsreichen Schweizer Vereins in der Münchner Leopoldstraße mit mehr als 100 Teilnehmern bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf dem Programm eine gemeinsame Veranstaltung von Schweizer Verein und dem Schweizerisch Deutschen Wirtschaftsclub München zur Geschichte und Entwicklung der Schweizer Uhrenindustrie in den letzten 350 Jahren.
Referent Wolfgang F. Carrier, ein profunder Kenner der Materie, war zum Uhren-Vortrag im Schweizer Haus eigens aus La Chaux-de-Fonds im westschweizerischen Jura angereist. Seit vielen Jahren ist der gebürtige Schwabe dort zuhause und nach einem abwechslungsreichen Berufsleben, das er u.a. auch in den USA, in Hongkong, Paris und Turin verbracht hat, ist er heute als Führer im dortigen Uhrenmuseum und für andere Sehenswürdigkeiten der Region tätig.
Nach der Begrüßung durch SV-Präsidentin Adelheid Wälti und SDW-Clubpräsident Jürgen Schneider standen drei große Themenkreise zur Entwicklung der Uhrmacherei in der Schweiz, speziell im Jura, auf dem Vortragsprogramm: Wie die Uhrentechnik in den Jura kam und wie sie dort noch heute blüht; berühmte Uhren der Region und die heutige Situation der Schweizer Uhrenindustrie.
Wie alles begann: Am Anfang der Entwicklung der Uhrmacherei in der Westschweiz standen aus Frankreich emigrierte Hugenotten, die die feinmechanische Uhrentechnik nach Genf brachten, wo 1610 schon mehr als 20 Uhrmacher tätig waren. Später wanderte das Gewerbe dann in den ärmeren Jura, wo sich günstigere Produktions- und Standortbedingungen fanden. Nicht zuletzt die Suche der einheimischen Bauern nach neuen Tätigkeiten für die lange Winterzeit waren ausschlaggebend für die Verlagerung innerhalb der Schweiz.
Berühmte Uhren: Zahlreiche Bilder von vielen schönen Taschenuhren, anfangs nur als Einzelstücke gefertigt, erfreuten und begeisterten die Anwesenden: Die „Marie Antoinette-Uhr“, für den Export nach Konstantinopel und ins Osmanische Reich konzipierte prachtvolle Uhren mit teils erotischen Motiven und Musikeinspielung, die erste Damenuhr für die Königin von Neapel, die „China-Uhr“, Marinechronometer, taktile Uhren, die „Proletarieruhr“ als erste einfachere Uhr – die Aufzählung ließe sich noch erweitern – sehr beeindruckend, zeigten sie doch den Glanz und die Bedeutung der Blütezeit dieser Uhrentechnik auf Manufakturbasis.
Die weitere wirtschaftliche Entwicklung und die heutige Position der Schweizer Uhrenindustrie auf dem Weltmarkt: Von großer Bedeutung war nicht zuletzt, dass seit Anfang des 19. Jahrhunderts die schnelle Entwicklung der Uhrenbranche in der Juraregion durch jüdische Einwanderer aus dem Elsass massiv gefördert wurde. Die zweitgrößte Synagoge der Schweiz, gebaut 1896, in La Chaux-de-Fonds legt davon noch heute Zeugnis ab. Um 1900 kamen mehr als 55 Prozent aller Taschenuhren aus dieser „Métropole horlogère“. 60 Prozent der Arbeitsplätze entfielen damals auf die Uhrenbranche.
Die Krise kam dann überraschend in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit dem Durchbruch der billigen japanischen Quartzuhren, die rasch den Weltmarkt überschwemmten und die auch dazu führte, dass die Einwohnerzahl von La-Chaux-de-Fonds innerhalb kurzer Zeit um rund 7000 Einwohner zurückging.
Zwei wichtige Meilensteine für den erneuten Aufschwung der Uhrenindustrie in jüngerer Zeit: Zum einen die billige Quarzuhr Swatch des Unternehmers Hayek, die aus nur 51 Teilen besteht und von der in zehn Jahren 100 Millionen Exemplare hergestellt wurden. Mit ihrem Pop-Design entwickelte sie sich zu einem Kult- und Erfolgsobjekt für Jahrzehnte. Zum anderen gelang es – Marketing ist alles – den alten Mythos von der Schweizer Luxusuhr neu zu beleben: Markennamen wie Rolex, Breitling, Audemars Piguet, Chopard, Tag Heuer, Jaeger LeCoultre und Blancpain lassen auch dieser Tage noch das Herz eines jeden Uhrenliebhabers höher schlagen. Mit rund 60.000 Mitarbeitern wird heute zwar auf Basis von Stückzahlen von der Schweizer Uhrenindustrie nur ein Weltmarktanteil von unter zwei Prozent erreicht, wertmäßig stehen die rund 28 Mrd. Schweizer Franken Jahresumsatz aber für über 57 Prozent!
„Mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks“ sei der Vortrag gelaufen, bemerkte SDW-Präsident Jürgen Schneider völlig zu Recht in seinen Dankesworten an den Referenten, der mit lang anhaltendem Beifall verabschiedet wurde. Die Vortragsveranstaltung wurde von einer kleinen Uhrenausstellung abgerundet. In drei Vitrinen zeigte das Fachgeschäft Juwelier Fridrich in der Sendlingerstraße ausgewählte Uhren seiner Kollektion.
Herzlichen Dank an das gesamte Team des Schweizer Vereins für die gelungene gemeinsame Veranstaltung. Stellvertretend genannt sei hier Roger Menetrey mit seinem Küchenteam, der einen sehr schmackhaften Tafelspitz zum Gelingen des Abends beisteuerte. Auch dem Schweizer Generalkonsulat, vertreten durch Konsul Frank Nohl, danke für seine Präsenz.

9. September 2015: Vortrag Dr. Ingo Brinker zum Thema „Was haben BMW, Hörgeräte, Sonnenblumen und der Libor-Zinssatz gemeinsam? Praktische Fälle zum Kartellrecht“

Die erste Vortragsveranstaltung nach der Sommerpause traf auf sehr großes Interesse. Insgesamt kamen rund 45 Mitglieder, Gäste und Angehörige des Alumnikreises der Hochschule St. Gallen zum Paulaner am Nockherberg. Stellvertretend für die HSG seien genannt: Katharina Linhart, die den Vortrag vermittelt hat und unsere Ansprechpartnerin bei der Hochschule St. Gallen ist, und der Präsident des Alumni-Kreises München, Dr. Peter Zurhorst.
Mit Dr. Ingo Brinker konnte SDW-Präsident Jürgen Schneider einen anerkannten Fachmann auf dem Gebiet des Kartellrechts als Referenten präsentieren. Dr. Brinker ist Partner der Kanzlei Gleiss Lutz, die eine der anerkannt führenden, international tätigen Anwaltskanzleien Deutschlands ist. Außerdem steht er der Hochschule St. Gallen als Dozent für das Executive M.B.L – HSG Programme zur Verfügung. Jürgen Schneider: „Die Fachpresse lobt ihn als superb antitrust litigator und als einen der führenden Partner im Kartellrecht.“
„Früher war der Begriff des Kartells durchaus einmal positiv besetzt gewesen, ein vertrauensvolles, symbiotisches Vertragsverhältnis zwischen Partnern“, merkte Dr. Brinker beim Erläutern der kartellrechtlichen Basics an. Später sei dann der Begriff mehr und mehr ins Negative gedreht worden, nicht zuletzt durch das geschäftliche Verhalten Rockefellers in den USA. Der kaufte nämlich reihenweise Wettbewerber auf.“ Heute ruht das Kartellrecht im Wesentlichen auf den drei Säulen Durchsetzung des Kartellverbots (Kartellbekämpfung, insbesondere bei Preisabsprachen), Missbrauchsaufsicht über marktbeherrschende und marktstarke Unternehmen sowie Zusammenschlusskontrolle.
Es sind also die Wettbewerber, Kunden und Lieferanten, die durch das Kartellrecht geschützt werden sollen. „Die Vorstellung von Herren mit Zigarre im Mund, die um einen Tisch herum sitzend, sich absprechen, ist natürlich laienhaft gedacht“, so Dr. Brinker. In der Realität könne heute vielmehr schon ein unzulässiger Austausch von Unternehmensinformationen die Gefahr der Verhängung von Geldstrafen zur Folge haben. Als Beispiel für solche wettbewerbssensiblen Informationen, die leicht schon mal fahrlässig weitergegeben werden, nannte Dr. Brinker zu frühzeitige Informationen über den Markteintritt eines neuen Automodells.
Anhand verschiedener praktischer Fälle bekamen die Zuhörer im Schnelldurchlauf einen gerafften Einblick in die praktische Anwendung des Kartellrechts: Im Fall BMW wurde von der Schweizer Kartellbehörde im Mai 2012 eine Geldbuße von 150 Mio. SFR wegen Exportverbotsklauseln in Händlerverträgen verhängt, wonach es BMW-Händlern in Deutschland verboten war, an Schweizer einen BMW zu dem in Deutschland günstigeren Preis zu verkaufen. Im LIBOR-Skandal stand die Manipulation des entsprechenden Zinssatzes durch Händler als Frage im Raum. Ein klassischer Fall horizontaler Absprachen unter Wettbewerbern, die gegen das Kartellverbot verstoßen. Im Hörgeräte-Fall ging es um die Übernahme eines dänischen Hörgeräteherstellers (GN Resound) durch einen Wettbewerber aus der Schweiz (Phonak). Im zuletzt vorgestellten Rechtsfall – im Sonnenblumenfall – kamen kartellrechtliche Probleme einer versuchten feindlichen Übernahme am Beispiel der Firma Syngenta durch den Übernehmer Monsanto zur Sprache. Das deutsche Bundeskartellamt verbot den Zusammenschluss, obwohl kein deutsches Unternehmen beteiligt war, eine Folge des sog. Auswirkungsprinzips, die Fusion hätte auch Auswirkungen auf den deutschen Markt gehabt.
Eine ganze Menge juristisches Holz, das da zur Sprache kam und von den Zuhörern erst verdaut werden musste. Aber die meisten konnten sich der Meinung von Jürgen Schneider nach dem Vortrag anschließen, dass „ich jetzt zwar etwas mehr Gefühl für das Rechtsgebiet habe, die Materie aber nach wie vor als so komplex empfinde, dass ich sie mir selbst keinesfalls zutrauen würde.“ Ein schönes Kompliment für den Referenten und ein eingelöstes Versprechen des SDW München, auch mal spezifischere Fachthemen zu behandeln.
Das Publikum war stets einbezogen, sodass während und nach dem Vortrag rege diskutiert wurde. Es wurden Fragen gestellt wie „Wer profitiert eigentlich von den teilweise sehr hohen Strafgeldern?“ und „Warum liegt bei den Tankstellenpreisen eigentlich kein verbotenes Kartellverhalten vor?“ Dazu Dr. Brinker: „Bei den Tankstellen liegt kein Kartell vor, sondern bewusstes Parallelverhalten.“ Damit ist zumindest die Frage schon einmal geklärt, die viele Autofahrer unter uns schon immer kompetent beantwortet haben wollten!