SDW

Der Schweizerisch-Deutsche Wirtschaftsclub e. V. fördert die wirtschaftlichen Beziehungen und den Erfahrungsaustausch sowohl der Mitglieder des Vereins untereinander als auch mit anderen Vereinigungen ähnlicher Zielsetzung zwischen der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland. Neben Vorträgen, Diskussionen und sonstigen Veranstaltungen organisiert der SDW München Kontakte zur Presse, zu Behörden und Verbänden und Vereinigungen der Wirtschaft sowohl in der Schweiz als auch in der Bundesrepublik Deutschland.

Künftige Veranstaltungen

15. Juli 2016:
Fest zum 40jährigen Club-Jubiläum

15. September 2016:
Vortrag von Dr. phil. Werner Troxler zum Thema “Einfach führen. Wie aus Managerinnen und Managern gute Führungskräfte werden”.

20. Oktober 2016 :
Besichtigung im Bayerischen Rundfunk (Hörfunk)

17. November 2016 :
Vortrag von Stefan Huber zum Thema : „Erfahrungen eines Schweizers bei der Firmengründung in Deutschland“

9. Juni 2016: Vortrag Prof. Dr. Egon Endres zum Thema „Erfolgsbausteine des Netzwerkmanagements“

Am 9. Juni, gleich im Anschluss an die Mitgliederversammlung, kamen die anwesenden Mitglieder und die Gäste in den Genuss eines Vortrages von Prof. Dr. Egon Endres zum Thema „Erfolgsbausteine des Netzwerkmanagements“. Als Sozialwissenschaftler beschäftigt er sich schon seit langem mit Netzwerkforschung. Diesmal ging es aber nicht um soziale Netzwerke wie Facebook, sondern um Netzwerke in der Gesellschaft oder in Unternehmen, von denen wir zum Teil nicht einmal wissen, dass wir Teil davon sind.
Im ersten Teil gab Prof. Endres einen Überblick über aktuelle Forschungsansätze und Modelle in der Soziometrie. So ist es z.B. durch Experimente empirisch bewiesen, dass jeder Mensch über maximal 6 „Ecken“ mit jedem anderen bekannt ist. Netzwerke sind auch sehr verschieden organisiert, so kann das eine machtbetont sein mit einer Schlüsselperson, die alle Verbindungen kontrolliert, oder aber es ist sehr kommunikativ, d.h. jeder ist mit jedem vernetzt und es gibt keine Kontrolle.
Geforscht wird auch auf dem Gebiet der schwachen Beziehungen. Das sind die indirekten Beziehungen, z.B. die Freunde der Freunde eines Bekannten. Hier zeigt sich, dass diese weitentfernten Beziehungen im Leben oft wertvoller sind, als die direkten, die starken Beziehungen. Dies gilt aber z.B. nicht im Topmanagement – hier sind direkte „Seilschaften“ unentbehrlich.

Nach dieser eher theoretischen, aber keineswegs langweiligen Einführung, ging Prof. Endres auf die 7 Erfolgsbausteine des Netzwerkmanagements ein. Diese finden Sie übrigens in seiner beigefügten Präsentation.
Diese Bausteine hat er sich nicht einfach ausgedacht, sondern sie haben sich durch zahllose Gespräche mit Unternehmern, Netzwerkern und Managern aus deren Erfahrungsschatz herausdestilliert. Sehr interessant ist vor allem die Erkenntnis, dass ein Netzwerk nur funktioniert, wenn alle 7 Bausteine intakt sind – wird einer verletzt, wird das Netzwerk nicht leben.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt für das Funktionieren von Netzwerken in Unternehmen sind die sogenannten Grenzgänger. Sie wirken Netzwerkübergreifend und können Lücken oder Löcher in Netzwerken schließen. Sie sind überparteilich, überwinden Organisationsgrenzen und Hierarchiestufen, und bringen so Kompetenzen, Wissen und Erfahrungen aus verschiedenen Netzwerken zusammen.

Aus den Fragen und der Diskussion im Anschluss ans Referat hat sich gezeigt, dass es auch im Jahre 2016 in der Wirtschaft noch nicht genügend Grenzgängerinnen gibt, um Frauen in althergebrachten Männernetzwerken ihren Platz einzuräumen. Woran das genau liegt konnte auch Prof. Endres nur vermuten – der Sozialforschung zu Netzwerken gehen also die Themen nicht aus.

Thomas Berger

10. Mai 2016 Vortrag Dr. Florian Mercker: „Kunsthandelsstandorte Schweiz und Deutschland. Kunstmarkt / Kulturgutschutz – Ein Vergleich“

Ein Kreis von rund 40 Interessierten, darunter auch der amtierende Generalkonsul Frank Nohl, hatte sich im Paulaner am Nockherberg zu einem außergewöhnlichen Thema eingefunden. SDW-Vizepräsidentin Claudia Dittmar stellte den Referenten Dr. Florian Mercker von der Kanzlei PHIDIAS Rechtsanwälte vor, der sich mit der Betreuung großer internationaler Kunstvermögen befasst und täglich mit Kunstobjekten und ihren Märkten konfrontiert ist. Liebe zur Kunst kann bei ihm vorausgesetzt werden, hat er doch parallel sogar Kunstgeschichte studiert. Er schreibt auch Bücher zum Thema und ist im Vorstand der Stiftung Kunstakademie und Beirat im Startup
„52 masterworks“.

Die Zukunft für den Kunsthandel sieht Dr. Mercker eher in der Schweiz als in Deutschland. Eine Entwicklung, die sich mit zahlreichen Fakten unterlegen lässt: „Der Kunsthandel in Deutschland tut sich schwer. Liegt doch beispielsweise der Durchschnittsumsatz einer Kunstgalerie in Deutschland nur bei rund 60.000 €. Die deutsche Art Cologne ist nicht so hochklassig wie die Art Basel in der Schweiz. Letztere konnte, als größte Kunstmesse weltweit, 2015 mit 287 Ausstellern aus 23 Ländern und 98.000 Besuchern aufwarten. Der Großteil des Kunsthandels wird bereits heute in der Schweiz oder in den USA abgewickelt.“ Schon in der Zeit des NS-Regimes bot die Schweiz zwar vielen deutschen Künstlern und Sammlern Schutz und Sicherheit vor Bedrohung und Enteignung, auf der anderen Seite aber auch Versteigerungen enteigneter Sammlungen durch Schweizer Auktionshäuser.

Die USA, die ebenso wie die Schweiz bedeutende Sammler beheimatet, ist das Topkunsthandelsland mit 43 Prozent Marktanteil (Global Art Marketshare by Volume in 2015). Großbritannien folgt mit 21 Prozent. China und Indien sind stark im Kommen. Was aber für die Schweiz, mit einem hochrangigen Kreis an Sammlern, als Kunsthandelsstandort spricht, trotz eines starken Frankens und obwohl ihr offizieller Marktanteil nur 2 Prozent ausmacht, sind die günstigeren Rahmenbedingungen dort: kein Folgerecht (d.h. keine Abgabe auf Zweitverkauf), geringere Hemmnisse durch Kulturgutschutz, international vergleichbar niedrige Steuersätze, ein (noch) liberales bzw. freiheitliches Grundverständnis und keine Zollgebühren auf die Einfuhr von Kunstwerken.

Was die individuelle freie Verfügbarkeit von Kulturgütern immer wieder erschwert, ist das von Land zu Land unterschiedlich beantwortete Problem der Nationalität. Kommt ein Kunstwerk doch mit keinem Reisepass daher: Meist geht es um Probleme wie Exportverbote, Ausfuhrbeschränkungen, staatliche Vorkaufsrechte usw. An einem Beispiel führte uns Dr. Mercker dies gut verständlich vor Augen: So sollte eine Sammlung französischer Expressionisten an der Ausreise aus Italien gehindert werden. Deren schwedische Eigentümerin wollte nach dem Tode ihres Mannes, eines piemontesischen Conte, bei ihrem Umzug an die Côte d´Azur, dem staatlichen Ansinnen Italiens die Kollektion als italienisches Kulturgut zu betrachten, jedoch nicht folgen – die italienische Rechtsprechung letztlich zum Glück auch nicht! Für Dr. Mercker ist Kunst international: „Schließlich will gerade die Kunstwerke besitzende Klientel mit diesen auch jederzeit problemlos den Wohnort wechseln können!“

Ein anderes wichtiges Thema im Kunsthandel sind Zollfreilager – rund um die Uhr bewachte Kunsttresore der Moderne, wo Kunstgegenstände wie Gemälde sicher aufbewahrt werden können. Besonders in der Schweiz haben diese Lager eine lange Tradition und spielen eine immer wichtigere Rolle. Es handelt sich um private Unternehmen, die neben Ausstellungsräumen auch immer mehr zusätzliche Dienstleistungen wie Treuhandfunktionen, Restauration, Authentifizierung von Kunstwerken usw. anbieten. Sie besitzen extraterritorialen Status, das heißt die Waren befinden sich quasi im Niemandsland. Was Vorteile mit sich bringt: Zollabgaben und Mehrwertsteuer fallen erst an, wenn die Güter für den Verkauf in einem Land bestimmt sind. Transaktionen innerhalb der Freilager sind problemlos möglich.

Auch das Geldwäschegesetz, das Grenzen für die Bargeldzahlung vorsieht und das Kulturgütertransfergesetz kamen zur Sprache: Bei Kulturgütern von wesentlicher Bedeutung kontrollieren Zollbehörden die Ein-, Durch- und Ausfuhr. Hier sind besondere Sorgfaltspflichten für den Handel zu beachten. Als problematisch betrachtet Dr. Mercker, dass die „wesentliche Bedeutung“ eines Kulturguts neben dem Alter zukünftig an einem bestimmten Wert fest gemacht werden soll. Dies ist für ihn kein sinnvolles Kriterium: „Die Bedeutung eines Kunstwerks lässt sich daran nicht festmachen, sondern resultiert allein aus dem künstlerischen Wert, der unabhängig vom Preis und möglicherweise auch dem Entstehungsjahr ist. Das Gesetz will nach Ansicht vieler wohl eher die steuerlichen Voraussetzungen für die künftige Erhebung von Vermögensabgaben legen.“ Deshalb sieht auch Dr. Mercker dieses Gesetz skeptisch und befürchtet dadurch eine weitere Beeinträchtigung des Kunststandorts Deutschland, der sich schon heute mit einem großen Aderlass an Kunstobjekten konfrontiert sieht.

Zum Schluss präsentierte Katharina Christ das Startup „52masterworks.com“. (www.52masterworks.com) Das Unternehmen ist die weltweit erste Crowd Investment Art Collection. Hier verbindet sich Leidenschaft für Kunst mit dem Investmentgedanken. Sammler, Förderer und Investoren haben die Möglichkeit, in ausgewählte Kunstwerke zu investieren und gemeinsam eine einzigartige, zeitgenössische Kunstsammlung aufzubauen. Schon ab 250 Euro ist man dabei. Durch das Beteiligungsmodell erhalten Anteilseigner Zugang zu hochwertigen Werken und renommierten Künstlern und profitieren von deren Wertentwicklung. Erfahrene Kunstexperten suchen Werke mit Potenzial. Das Besondere an 52masterworks ist, dass alle Werke für die Öffentlichkeit in eigenen Ausstellungsräumen oder als Teil von öffentlichen Ausstellungen allen zugänglich gemacht werden. Beteiligte sowie Künstler profitieren auf diese Weise vom öffentlichen Interesse an den Werken. Unter bestimmten Bedingungen ist aber auch die vorübergehende private Ausleihe durch Investoren möglich.

Die anschließende lebhafte Diskussion zeigte, dass das authentisch präsentierte Thema beim Auditorium sehr gut ankam. Unser langjähriges Clubmitglied Ewald Zeitler steuerte eine nette Kunstanekdote aus seiner aktiven Zeit als deutscher Nestle-Chef bei, in der Oskar Kokoschka und der Sohn von Sophia Loren die Hauptakteure sind. War das entstandene Bild nun Kunst oder Marketinggag? Ein informativer, spannender Abend über ein interessantes deutsch-schweizerisches Thema, das viele Denkanstöße geliefert hat.

Vortrag Ruth Diggelmann am 5. April 2016: Die Deutsche Bahn – Projekt „Erdinger Ringschluss“

Vortrag Ruth Diggelmann am 5. April 2016: Die Deutsche Bahn – Projekt „Erdinger Ringschluss“
SDW Clubmitglied Ruth Diggelmann ermöglichte uns mit der Präsentation eines hochaktuellen Projekts der Deutsche Bahn AG einen interessanten Einblick in das heute weltweit führende Mobilitäts-und Logistikunternehmen. Mit über 300.000 Mitarbeitern, davon rund 200.000 in Deutschland, stellt die DB täglich Mobilität und Logistik für ihre Kunden bereit. Ein funktionierendes Schienenverkehrsnetz ist dafür Voraussetzung. Hier kommt Ruth Diggelmann ins Spiel. Seit Planungsbeginn im August 2006 trägt sie die Verantwortung für das Bahninfrastrukturprojekt „Erdinger Ringschluss“, welches die Schienenanbindung des Münchner Flughafens im Erdinger Moos erheblich verbessern soll.

Rund 40 Teilnehmer, darunter der amtierende Generalkonsul Frank Nohl, hatten sich zum Club-Vortrag „Erdinger Ringschluss“, wie gewohnt im Paulaner am Nockherberg eingefunden. Dieses Mal nicht im traditionellen Kaminzimmer, sondern im Raum München, wo SDW Clubpräsident Jürgen Schneider uns die gelernte Tiefbauingenieurin Ruth Diggelmann als erfahrene Managerin komplexer Bauvorhaben vorstellte.

Sie erläuterte in ihrem Vortrag sehr anschaulich, wie das Projekt im einzelnen aussieht: Der „Erdinger Ringschluss“ ist als rund 30 km lange, zweigleisige Bahnstrecke geplant, die teilweise neu gebaut werden muss. Dieser Ringschluss soll Freising über den Flughafen München mit Erding verbinden. Zum einen geht es dabei um die direkte, umsteigefreie Anbindung Nordost-Bayerns an den Flughafen München für den regionalen Personenverkehr. Dafür ist die „Neufahrner Nordkurve“ vorgesehen. Die Reisenden aus Regenburg oder anderen Städten im Nordosten Bayerns brauchen nach deren Fertigstellung nicht mehr über München zu fahren, um den Flughafen zu erreichen. Zum anderen geht es um die Verlängerung der S 2 bis zum Flughafen, die jetzt bereits in Erding endet. Geplant ist außerdem eine direkte, umsteigefreie Anbindung Südost-Bayerns an den Flughafen für den Personenverkehr, die „Walpertskirchener Spange“. Nach deren Fertigstellung müssen auch die Reisenden aus Südost-Bayern, aus Städten wie Mühldorf, Freilassing, auf dem Weg zum Flughafen nicht mehr den Umweg über München nehmen.

Die Referentin wurde von ihrem Vorgesetzten bei der DB, Bernd Pfeifer, und ihrer Mitarbeiterin Maria Corts-Bernia begleitet, welche sie tatkräftig bei der Präsentation unterstützte. Das auf den ersten Blick eher trockene Thema brachte sie sehr locker, entspannt und witzig rüber. Es wurde deutlich, dass sie sich voll mit diesem wichtigen Schienenprojekt persönlich stark identifiziert. Kein Wunder, dass es inzwischen quasi „ihr Baby“ geworden ist. Schließlich leitet sie das Projekt seit fast 10 Jahren.

Schaut man bei einem solchen Riesenvorhaben einmal genauer hin, scheint es fast unglaublich, was dabei alles auf die Reihe zu bringen ist: Land muss gekauft werden. Mit den Eigentümern, zumeist Bauern, sind die fälligen Entschädigungen auszuhandeln. Klappt dies nicht, muss in letzter Instanz ein Enteignungsverfahren durchgeführt werden. Weiterhin sind inzwischen mehr als 150 Einwendungen aufgelaufen, die bearbeitet werden müssen. Gefährdete Tiere, die unter Schutz stehen, müssen auf geeignete Ausgleichsflächen umgesiedelt werden. Leicht überspitzt gesagt, bedeutet das: erst wenn der letzte Vogel und die letzte Zaun-Eidechse das Gebiet verlassen haben, kann es weitergehen. Und dann gibt es auch immer wieder Sonderwünsche. Die Stadt Erding möchte z.B. einen Tunnel für die neue Strecke. „Kein Problem“, meint Ruth Diggelmann lapidar, „wenn sie es bezahlen“. Für all diese Aufgaben trägt unser Clubmitglied die Verantwortung. Anhand von informativen Fotos brachte sie uns die Vielfalt des Projekts noch näher.

Unser Resümee lautet: ohne Ruth Diggelmann wäre das Projekt wohl nicht so weit fortgeschritten wie jetzt.

Ein spannender, sehr lehrreicher Abend, an dem wir hinter die Kulissen dieses gigantischen Bahnprojekts blicken durften. Zur Vertiefung unserer gewonnenen Einsichten hat uns Ruth Diggelmann zu einer Besichtigung der Baustelle eingeladen, die am 30.04.2016, Treffpunkt an der U-Bahn-Station „Nordfriedhof“ um 13.00 Uhr, stattfinden wird (sh. dazu das bereits übersandte Mail vom 12.04.2016).

Thomas Ruhnke

10. März 2016: Vortrag Dr. Michael Kausch zum Thema „Reputationsmanagement und Krisenkommunikation in Zeiten sozialer Netze“

Die erste Vortragsveranstaltung 2016 traf auf großes Interesse. Insgesamt kamen über 40 Mitglieder und Gäste, darunter auch Generalkonsul Adjunkt Roland Fischer und Konsul Frank Nohl, ins vom Holzfeuer erwärmte Kaminzimmer im Paulaner am Nockherberg. „Ein Unternehmer durch und durch.“ Mit diesen Worten stellte SDW Clubpräsident Jürgen Schneider den Referenten Dr. Michael Kausch vor. Er ist heute Agenturinhaber und Geschäftsführer der vibrio.Kommunikationsmanagement Dr. Kausch GmbH (http://www.vibrio.eu); vorher war er bei Microsoft in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Marketingkommunikation tätig. Seine Agentur konzentriert sich auf strategische und konzeptionelle Unternehmensberatung und Coaching im Bereich integrierter Unternehmens- und Marketingkommunikation, auf Krisen-PR sowie auf strategisches Social Media Marketing.
Warum ist Reputationsmanagement und Krisenkommunikation in Zeiten sozialer Netze so wichtig? Kommunikationswege haben sich rasant verändert. Immer mehr Menschen weltweit nutzen soziale Medien – Stichworte sind hier beispielsweise Facebook und WhatsApp, die die Internetwelt dominieren. Diese Online-Medien sind schon jetzt zu führenden Informationsquellen geworden. Im Netz redet heute jeder mit jedem. Persönliche Empfehlungen, die dort veröffentlicht sind, werden schon zu 50 Prozent bei Kaufentscheidungen berücksichtigt. Es geht im Netz immer mehr um Erlebnisse, Erfahrungen und Stories. Das trifft auch für die Beziehungen von Unternehmen untereinander zu (B-to-B). Mit der Konsequenz, dass die Kommunikation immer mehr personalisiert und emotionalisiert wird. Außerdem wird die Trennung zwischen Unternehmens- und Mitarbeiterkommunikation aufgehoben und Multi Channel (Dialog auf mehreren Kanälen) wird immer mehr zum Standard.
Was heißt das für Unternehmen? Neue Regeln im Umgang mit Social Media sind notwendig. Es bedarf neuer Kommunikations-Tools wie Monitoring und Publishing. Auch neue Geschäftsprozesse müssen entstehen und Hierarchien sich verändern. Das kann Machtzuwachs bei den Mitarbeitern und Individualisierung von Kompetenzen mit sich bringen. Es ist heute unbedingt notwendig, seinen Ruf im Internet kontinuierlich zu stärken – auf allen Kanälen. Von Facebook und Twitter bis zu Blogs und Bewertungsforen. Hier werden die Meinungen gemacht. Und negative Kommentare abgegeben, die weh tun können. Wichtig zu wissen ist: Um wen handelt es sich, der sich zu meinem Unternehmen und meinen Produkten äußert? Ist es gerechtfertigte Kritik oder nur reine Provokation? Sind es „Trolle“, die vernichten, sich rächen wollen? Wutbürger, für deren Abwehr es differenzierte Strategien braucht? Oder sind es kritische Kunden, die nur zu ihrem Recht kommen wollen, da sie sich übervorteilt fühlen?
Insbesondere wenn negative Äußerungen sich zum Sturm, zum so genannten Shitstorm ausweiten, wenn Firmen das – mangels geeignetem Monitoring – aber zu spät merken, dann lauern unkalkulierbare Risiken. Manche Vorwürfe erweisen sich bei Überprüfung durchaus als richtig:
Z. B. Kritik an ungeeigneten Vertriebsstrukturen. Dann hilft nur eins: Diese Strukturen ändern! Kommunikations- und Presseabteilungen brauchen Leute, die mit den sozialen Medien gut vertraut sind und die auf Netzgefahren adäquat reagieren können. Manche Netz-User kennen sich bei bestimmten Produkten, auch das kommt häufig vor, ebenso gut aus wie die Profis in den Unternehmen. Diese Leute gilt es unbedingt ernst zu nehmen und auch als Content-Lieferanten zum Nutzen des Unternehmens einzubinden. Früher machtlose Kunden, das zeigen viele Beispiele, sind heute mächtiger denn je und können sich vehement wehren und dem Unternehmen dabei massiv schaden. Ein gutes, rechtzeitig etabliertes Reputationsmanagement stärkt in der Krise. Deshalb gilt es für Unternehmen frühzeitig auf möglichst vielen Kanälen für den richtigen Content und geeignete Follower zu sorgen.
„Werden Sie social kings, die Trolle sind es schon!“ lautete der ultimative Ratschlag von Dr. Kausch, den er dem Auditorium mit auf den Weg gab. Die Nützlichkeit dieses Hinweises hat er uns an mehreren praktischen Beispielen eindrucksvoll demonstriert. Dazu gehört auch mal Härte zu zeigen. Die anschließende lebhafte und lang andauernde Diskussion zeigte, dass das Thema einen zentralen Nerv der Zeit getroffen hat. Die vielen weiteren diskutierten Themen fanden erst ein Ende, als das Restaurantpersonal durch lebhaftes Gestikulieren deutlich machte, dass sich die bestellten Gerichte nicht mehr länger warm halten ließen. So hat sich letztlich die reale Welt gegenüber der virtuellen an diesem Abend doch wieder einmal durchgesetzt.

Thomas Ruhnke

Aschermittwochs-Fischessen 2016 im Barestovino

Jedes Jahr wieder die spannende Frage: Wo findet das traditionelle Aschermittwochs-Fischessen des Clubs statt? Diesmal fiel die Wahl auf ein sehr gediegenes Lokal, das Barestovino, das nicht im Touristenstrom liegt, sondern in einer der ruhigen Ecken des Lehel: zwischen Isartor und Max-Monument, in der Thierschstraße. Mit dem Namensgeber der Straße, dem berühmten Architekten und Maler Friedrich von Thiersch, machte SDW München-Clubpräsident Jürgen Schneider die rund 40 Mitglieder und Gäste, darunter auch Generalkonsul Adjunkt Fischer und Konsul Nohl, bei seiner Begrüßung näher bekannt. Thiersch zeichnet verantwortlich für einige bekannte Bauwerke Münchens wie das Bernheimer-Palais und den Justizpalast. Darüber hinaus baute er Brücken in der Stadt wie die Cornelius- und die Maximiliansbrücke.
Einen Beitrag zum Brückenbauen soll ja auch das im Clubleben des SDW München etablierte Fischessen am Aschermittwoch leisten. Wichtige Voraussetzung dafür: Ein gemütliches, gepflegtes Restaurant , das den dazu passenden Rahmen liefert. Das Barestovino, dessen Namens-Trias aus den räumlichen Gegebenheiten entstanden ist: eine kleine Bar (=Bar) samt Theke und Bistrotischen im Eingangsbereich, ein Restaurantbereich (= resto) und schließlich ein Weinkeller (= vino). Der Schwerpunkt im Barestovino liegt allerdings ganz klar auf der Abteilung “Resto”. Und diese Abteilung ist absolut vorzüglich, was wir beim Club-Aschermittwochs-Event selbst testen und bestätigen konnten.
Jöel Bousquet, der aus Paris stammende Inhaber und Gastronom, verwöhnte uns in behaglicher Atmosphäre mit einer Vorspeise aus Lachsvariationen (Tartar und Lachs im Brickteig) mit weißer Beete und zum Hauptgang mit Winterkabeljau auf Süßkartoffel-Püree und Vanille-Beurre-Blanc. Als Nachspeise stand Passionsfrucht-Milchreis, Ananas und exotisches Sorbet auf der Karte. „Absolut vorzüglich“, so der allgemeine Tenor. Damit bewies das Barestovino, ein guter Tipp in der Münchner Gastronomieszene der Spitzenklasse zu sein!
Die Inspektoren des Guide Michelin haben das genauso gesehen und das Lokal völlig zu Recht für seine „sympathische Atmosphäre und die schmackhaften, traditionell-französischen Gerichte und Weine“ ausgezeichnet. Also genau die richtige Auswahl für einen nicht nur kulinarisch interessanten Abend in gelöster Stimmung mit guten Gesprächen. Mal sehen, wo wir uns im nächsten Jahr zum Fischessen wiedersehen werden.
Thomas Ruhnke

14. Januar 2016 – Vorstellung neuer Mitglieder

Die Vorstellung neuer Mitglieder steht traditionell als Jahresauftaktveranstaltung auf unserem Clubprogramm. Ein wichtiger Indikator für die Vitalität unseres Clubs! Nahezu 40 Mitglieder und Gäste konnten die gemütliche Atmosphäre im Kaminzimmer des Paulaner am Nockherberg genießen. 2015 wurden neun neue Mitglieder gewonnen, fünf davon, ein Firmen- und vier Einzelmitglieder, stellten sich an diesem Abend vor.

Bei seiner Begrüßung informierte Clubpräsident Jürgen Schneider über eine personelle Veränderung im Schweizer Generalkonsulat. Generalkonsul Fabian Osterwalder wurde zum Jahrswechsel nach Bern beordert. Generalkonsul Adjunkt Roland Fischer wird übergangsweise dessen Funktion in München wahrnehmen. Herr Fischer war vorher u. a. in Uruguay, im Irak und in Brasilien diplomatisch tätig.

Als Erste stellte sich die gebürtige Züricherin Ruth Diggelmann vor. Von der Schweizer Bundesbahn wechselte sie Anfang des neuen Jahrtausends zur Deutschen Bahn, über Berlin nach München. Hier leitet sie das wichtige Projekt “Ringschluss um den Münchner Flughafen“. Im April wird sie uns in einem Vortrag die Deutsche Bahn näher bringen.

Als weiteres Neumitglied lernten wir Michael Märzheuser kennen, der seit über 30 Jahren in der Medienwelt tätig ist. Vor seiner selbständigen Beratertätigkeit absolvierte er als Journalist und Pressesprecher verschiedene berufliche Stationen: Bayerischer Rundfunk, Aufbau des Radiosenders Antenne Bayern sowie des Deutschen Sportfernsehens, fünf Jahre Pressereferent für die Unionsfraktionen im Deutschen Bundestag in Bonn. Über einen Wohnsitz in der Schweiz ist er mit dem Land eng verbunden. (www.maerzheuser.com)

Der studierte Physiker Dr. Dirk Szynka folgte in der Vorstellungsrunde. Als Patentanwalt und Partner der Kanzlei König • Szynka • Tillmann • von Renesse mit Standorten in Düsseldorf und München (www.ksvr.net), leitet er den Münchner Standort und betreut eine Reihe Schweizer Mandanten aus dem Raum Zürich.

Weiter ging es mit Dr. Peter Zurhorst, Geschäftsführer der Z Invest-Consult GmbH. Seine Firma berät Unternehmen der Finanzdienstleistungsbranche, insbesondere international tätige Asset Management- und Fondsgesellschaften. Einigen von uns ist er schon in seiner weiteren Funktion als Präsident des Alumni-Kreises der renommierten Hochschule St. Gallen (www.hsgalumni.ch) bekannt. Der SDW München pflegt seit einiger Zeit eine erfolgreiche partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Kreis der St. Galler Ehemaligen. In seinen Studientagen in St. Gallen, wo er sieben Jahre gelebt hat, bekam Dr. Zurhorst den Spitznamen “Gallus”, der ihm bis heute geblieben ist.

Last but not least kann der SDW auch ein neues Firmenmitglied begrüßen: die Broadcast Germany AG mit Sitz im Schweizerischen Pfäffikon (www.broadcast-germany.ch). Vertreten wurde das Unternehmen durch die Verwaltungsräte Roland Huber und Urs Brütsch, die beide Schweizer Staatsbürger sind. Die Broadcast Germany AG hat eine exklusive Vermarktungspartnerschaft mit der BRmedia GmbH, einer Tochtergesellschaft des Bayerischen Rundfunks. Als Vertreter dieser Gesellschaft stellte Peter Jakob, der ebenfalls zur Vorstellung mitgekommen war, die Zusammenarbeit zwischen beiden Firmen vor. Anschließend referierte Roland Huber über die Broadcast Germany AG, deren Ziel die Unterstützung der Schweizer Exportwirtschaft durch die Vermittlung von insbesondere Radiowerbung im BR ist. Zu hören bekamen wir einen der typischen Werbespots, die eine Länge von rund 20 Sekunden haben und “auf den Punkt gebracht” sind. Urs Brütsch, der in seiner Freizeit auch Alphorn bläst, überraschte die Anwesenden mit einer ganz speziellen Darbietung; er spielte auf einem “Schlauchalphorn” – hier ist das Endstück eines Alphorns mit einem Gartenschlauch verbunden. Zu guter letzt lud Peter Jakob den SDW noch zu einer Besichtigung des Bayerischen Rundfunks ein. Darauf können wir uns freuen. Das Jahr fängt für den SDW also sehr gut an.

2016-01-19
Verfasser: Thomas Ruhnke

9. Dezember 2015: Weihnachtsfeier in der Insel Mühle

Alle Jahre wieder…. dieses Jahr fiel die Wahl des Ortes für unsere traditionelle Clubweihnachtsfeier auf das Restaurant Insel Mühle im Münchner Westen. Im historisch anmutenden Gewölbekeller fand sich der stimmungsvolle Rahmen für eine wieder einmal sehr gemütliche Feier unter Freunden, Mitgliedern und Gästen.
Nach Warmlaufen mit Glühwein, Punsch und Prosecco ließ SDW-Präsident Jürgen Schneider noch einmal „ein abwechslungsreiches Clubjahr 2015 mit zahlreichen Höhepunkten“ Revue passieren. Immer wieder erstaunlich, was in einem Clubjahr so alles Platz findet! Stellvertretend seien hier die erlebnisreiche Clubreise nach Zürich und in die Innerschweiz sowie das Sommerfest auf der Dachterrasse des Schweizerischen Generalkonsulates erwähnt, welche viele noch als besonderes Highlight in bester Erinnerung haben. Jürgen Schneider freute sich, Generalkonsul Fabian Osterwalder und Konsul Frank Nohl im Kreis der rund 50 Feiernden begrüßen zu können. Inzwischen fast schon so etwas wie gelebte Tradition und auch Anerkennung für die Arbeit des Clubs. Danke!
Weiter ging’s mit Festmenü und Beiprogramm. Nach der Vorspeise, Wildkraftbrühe mit Tramezzini und Kräutern, stand eine nette, unterhaltsame, bayrisch gefärbte Weihnachtsgeschichte an: „Hasenadvent“, die Geschichte über den Hasen Löffelmeier vom Wasserburger Mundartdichter Lukas Meier, gekonnt vorgetragen von unserem Mitglied Erika Schindecker. Danach ging’s kulinarisch weiter: Rehkeule, gebratenes Filet von der Goldforelle, Rinderfilet oder wahlweise vegetarisch gebratene Kartoffeltrüffel-Kissen und zum Abschluss eine Schokotarte mit Waldhimbeerkompott und Mascarponeeis fand sich auf der weihnachtlichen Speisekarte.
Überraschend kam dann noch ein stilecht gewandeter Nikolaus zu uns ins Gewölbe. Er überbrachte Weihnachtsgrüße aus der Schweizer Sektion des Himmels und warf auch gleich noch seine Bewerbung als Pressesprecher des SDW München in den Ring. Er wolle nicht nur „Größe und Bedeutung des SDW noch besser verkaufen“ als bisher, sondern auch bei der im nächsten Jahr anstehenden 40-Jahr-Feier des Clubs seine umfängliche Expertise einsetzen. Anschließend zitierte er aus dem Buch der guten Taten und verlas die Wunschzettel der einzelnen Vorstandsmitglieder an das Christkind. Zur Freude der Zuhörer ließen sich aus den vorgetragenen Wünschen so manche persönliche Stärken und Schwächen herauslesen. Wirklich intelligente Realsatire.
Riesenapplaus belohnte den Nikolaus für seinen gelungenen Auftritt. Wer steckte nun hinter der Verkleidung? Es war…. Clubmitglied und SchweizerVereins-Vizepräsident Gerhard Wüst, der uns auch schon vor zwei Jahren mit einem Auftritt erfreute. Auf die diesmal so überzeugend vorgetragene Bewerbung als SDW-Pressechef reagierte Jürgen Schneider in seiner Dankadresse schlagfertig: „Wir engagieren Dich vom Fleck weg, aber wir zahlen Dir nichts“. Die Feier war noch lange nicht zu Ende. In angeregter Unterhaltung ging das adventliche Treffen weiter bis in die mitternächtliche Stunde hinein. Als Abschiedspräsent gab es vom Gabentisch köstliche Nürnberger Lebkuchen mit auf den Heimweg.

4. November 2015: Vortrag „Standortförderung in der Schweiz – Welche Vorteile hat eine Ansiedlung in der Schweiz?“

Am wohlige Wärme verbreitenden flackernden Kaminfeuer lässt es sich ablesen: Das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Und auch die Reihe der SDW München Vortragsveranstaltungen 2015. Mit dem Novembervortrag „Standortförderung in der Schweiz“ gelingt als Schlusspunkt ein wirkliches Highlight, sowohl thematisch als auch von der Präsentation her.
Das urige Kaminzimmer im Paulaner am Nockherberg ist randvoll gefüllt mit Mitgliedern und Gästen – auch Generalkonsul Fabian Osterwalder ist mit dabei. Alle erleben eine abwechslungsreiche, sehr informative Präsentation von drei hochkarätigen, ausgewiesenen Fachleuten auf dem Gebiet der Investitions- und Standortförderung.
Zum Vortragsteam gehören: Tobias Rühmann, Leiter von Switzerland Global Enterprise mit Sitz in Stuttgart sowie unsere beiden Mitglieder Rolf Bühler von der Greater Zurich Area AG und Peter Koch von der Wirtschaftsförderung Thurgau. Alle drei sitzen nicht nur im gleichen Boot der „Standortförderung Schweiz“, sondern frönen zuweilen auch zusammen – in einem realen Boot! – ihrem gemeinsamen Hobby Rudern, wie uns Clubpräsident Jürgen Schneider bei der Begrüßung wissen lässt.
Die Standortförderung des Bundes unterteilt sich in verschiedene Aktivitätsfelder: Exportförderung und Standortpromotion, KMU-Politik, Tourismuspolitik, Regional- und Raumordnungspolitik. Dazu einige ausgewählte Maßnahmen: Kleinere und Mittlere Unternehmen (KMU) können durch Bürgschaften und administrative Entlastung unterstützt werden. Auch im Tourismus kann es Geld für ausgewählte Projekte geben: Zum Beispiel für landschaftlich reizvolle E-Bike-Routen in Nationalparks oder auch mal zum Ausbau von landschaftlich schön gelegenen Heuschobern, um sie zum Übernachten geeignet zu machen. Im Rahmen von Regional-und Raumordnungsprogrammen soll die Wettbewerbsfähigkeit der Regionen gestärkt werden. Hierunter fallen dann Projekte wie die wirtschaftliche Stützung von Seilbahnen, die für den Tourismus bedeutsam sind, sich aber wirtschaftlich nicht rechnen.
Hohe ProfessionaIität verlangt insbesondere die im internationalen Wettbewerb stehende Standortpromotion. Andere europäische Standorte wie die irische Metropolregion Dublin konkurrieren mit fast schon unmoralischen Angeboten: „… any person who introduces a company to ConnectIreland which creates jobs in Ireland the Irish Government will pay a minimum of Euro 1’500 per job….” Es gilt also alle Register zu ziehen, um im harten Ansiedlungswettbewerb mithalten zu können. Die Schweiz steht ohne Zweifel durch objektivierbare Kriterien in vorderster Reihe: Politische Stabilität und Rechtssicherheit, Zugang zu Schlüsselmärkten und hervorragende Infrastruktur, gut ausgebildete Arbeitskräfte, sehr hohe Lebensqualität und attraktive steuerliche Rahmenbedingungen machen die Schweiz zum exzellenten Standort. Aber dies alleine garantiert nicht immer den Erfolg. Ein Argument allerdings ist unschlagbar: „Das Matterhorn gibt es eben nur in der Schweiz“, wie Rolf Bühler es mit einem Augenzwinkern formuliert. Das mache das Land als Standort einzigartig.
Für welche Unternehmen ist die Schweiz besonders attraktiv? Für Unternehmen mit umfangreicher Wertschöpfung. Auch für solche, die eine zentrale Lage in Europa suchen sowie für Unternehmen, die Bedarf an Führung und Finanzierung ihrer weltweit verteilten Wertschöpfungsketten haben. Es ist aber ein kundenorientiertes, wie ein Uhrwerk verzahntes, Standortmarketing erforderlich, um mit der Botschaft „die Schweiz ist die richtige Standortwahl“, den Unternehmer zur Ansiedlungsentscheidung zu veranlassen.
Hauptbeteiligte in diesem komplexen Überzeugungsprozess sind Switzerland Global Enterprise, kantonale, regionale und städtische Wirtschaftsförderung, Regionen, diplomatische Vertretungen und Multiplikatoren. Die richtige Orchestrierung der von Fall zu Fall jeweils sehr individuellen Vorgehensweise bringt dann den Erfolg. Beispielhaft sei hier ein renommiertes Unternehmen wie die schwäbische Firma Stihl genannt, die heute auf die Produktion der hochwertigen Ketten ihrer Sägen in der Schweiz setzt. Durch erzielte hohe Produktivität und Spitzenqualität geht die Rechnung für Stihl auf. Aber auch für die Schweiz. Die Unternehmensberatung McKinsey hat das einmal exemplarisch am volkswirtschaftlichen Potenzial eines angesiedelten Hauptsitzes durchgerechnet: 100 direkte neue Arbeitsplätze eines Headquarters ziehen indirekt weitere 350 bis 400 neue Stellen nach sich. Dies schlägt sich in einem Gesamtnutzen beim volkswirtschaftlichen Bruttoinlandsprodukt von respektablen 75 bis 80 Millionen CHF pro Jahr nieder.
Ein spannendes, hochinteressantes Thema, das auch noch zu reger Diskussion führte. Themen wie der Umgang Schweizer Steuerbehörden mit Fragen und Problemen ihrer Kunden, Steuereffizienz der Schweiz, die Fachkräftefrage besonders im IT-Bereich, der Nutzen des Freihandelsabkommens zwischen China und der Schweiz kamen hier noch zur Sprache. Durchaus genügend Stoff also, das Thema Standortförderung in der Zukunft wieder einmal aufzugreifen.

Th. Ruhnke