12. März 2013: Vortrag von Stefan von Andrian zum Thema „Unternehmen in der Beschleunigungsfalle“.

Ein gesellschaftlich hochaktuelles Wirtschaftsthema stand beim Clubabend des SDW München im März, im Paulaner am Nockherberg, auf dem Programm. Rund 35 Mitglieder und Gäste verfolgten interessiert die Ausführungen des Referenten Stefan von Andrian zum Thema „Unternehmen in der Beschleunigungsfalle – Wie Führungskräfte und Mitarbeiter mit Belastungen und Leistungsgrenzen umgehen“. Von Andrian verstand es, den  Themenkomplex Beschleunigungsproblematik in der Wirtschaft, mit dem fast jeder in seinem beruflichen Leben in irgendeiner Form konfrontiert ist, fachlich hochkompetent, aber auf lockere und unterhaltsame Weise, mit illustrativen Beispielen unterfüttert, gut verständlich darzustellen.

In einem ersten Schritt stellte von Andrian der Wirtschaft und ihren Akteuren die bittere Diagnose: So führten besonders Akzeleration, neue Arbeitsformen und digitale Kommunikationsmittel zu ständig steigenden kognitiven und emotionalen Anforderungen bei Mitarbeitern und Führungskräften. Leistungs- und Termindruck würden, so der Referent, zu Gefahren für die Menschen und den Erfolg von Unternehmen und Organisationen. Die Beschleunigungsfalle schlage zu und zeige sich u.a. in verringerter Identifikation mit Unternehmen und Produkten und letztendlich in der Bedrohung der Leistungskraft von Mitarbeitern und Führungskräften. Dringender Handlungsbedarf also für therapeutische Ansätze, um organisationalen Burnout zu vermeiden, der sich in Organisationsmängeln wie fehlenden Innovationen, Produktivitätsabnahme, zynischer Grundstimmung in der Belegschaft und überfordertem Management manifestiere. Von Andrian zeigte dann aber auch  Lösungsmöglichkeiten auf: Anhand von Beispielen demonstrierte er, wie beim Einzelnen, bei den Strukturen und Prozessen und auf der strategischen Ebene zielführend der Hebel angesetzt werden kann. Letztlich liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Wertschätzung der Menschen, wie das angeführte Beispiel des Polarforschers Ernest Shackelton eindrücklich zeigte. So wurde deutlich, dass der entscheidende Hebel Führung ist, die verändert: Durch Vorbildhandeln, geistige Anregung, inspirierende Motivation, individuelles Eingehen auf die Menschen – in der Fachsprache transformationale Führung genannt. Umgesetzt und übertragen auf Unternehmen und Organisationen stellen sich dann Produktivität, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in der Regel ein.

Bei diesem Thema, das für jedes Unternehmen von zentraler Bedeutung ist, war eine angeregte Diskussion zu erwarten. So wurde dann der umfassende Eindruck des Vortrags durch zahlreiche persönliche Erfahrungen der Anwesenden ergänzt und abgerundet, die sich mit den Erkenntnissen des Referenten weitgehend deckten. Im weiteren Verlauf des Abends ergaben sich noch viele Gelegenheiten in persönlichen Gesprächen das Thema zu vertiefen.

Vita Stefan von Andrian (1962):

arbeitet als freiberuflicher Berater, Facilitator, Change Coach, Editor und Buchautor in Münsing bei Starnberg. Der gelernte Kommunikationswissenschaftler (Dipl.-Journalist) und Sozial- und Wirtschaftsgeograph (Dipl.-Geograph) berät und begleitet Menschen in Veränderungsprojekten und bietet Redaktion, Moderation und Visualisierung in Kommunikationsprozessen und Kompetenzentwicklung für Führungskräfte und Multiplikatoren an.