13. November 2014: Vortrag von Dr. Hans Weiskopf zum Thema “Führung und Macht – Incredible Leadership”

Es kommt nicht oft vor, dass jemand „aus der Erfahrung von vier Berufsleben“ schöpfen kann wie Dr. Hans Weiskopf, den SDW München-Clubpräsident Jürgen Schneider zur Vortragsveranstaltung am 13. November im Paulaner am Nockherberg begrüßen konnte. Nach einer Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr, Vertriebsmanagementaufgaben bei der AXA, einer Funktion als Landesdirektor bei der Zürich Versicherung, arbeitet Dr. Weiskopf heute als Business Coach, Hochschul-Lehrbeauftragter, Managementtrainer und Fachbuchautor. Entsprechend hoch waren die Erwartungen der rund 40 Mitglieder und Gäste des Abends, auch Generalkonsul Fabian Osterwalder war dabei, an praxisbezogene Ausführungen über den Zusammenhang von Führung und Macht.
Kaum ein Begriff erweist sich als so schillernd und vielschichtig wie „Führung“: „Eine Führungskraft wirkt auf Geführte ein, um Ziele zu erreichen“, definierte Dr. Weiskopf und fügte hinzu, dass es optimal sei, wenn die Menschen nicht nur tun, was sie sollen, sondern das auch wollen! Aber Macht ist unverzichtbar: „Ohne Macht wird nur gelacht“, lautet ein prägnantes Zitat des Organisationspsychologen Professor Lutz von Rosenstiel. Sonst würden schnell inoffizielle Führungsstrukturen in ein Machtvakuum stoßen. Wie siamesische Zwillinge sind Macht und Führung also sehr eng miteinander verbunden.
Macht kann sich sehr positiv auswirken: Kräfte aktivieren, Kreativität fördern, hohe Jobidentität vermitteln, aber sie kann andererseits auch zu negativen Erscheinungen führen, wie der Instrumentalisierung von Menschen, zu unreflektierter Schwarz-weiß-Wahrnehmung, zu einem simplen Freund-Feind-Denken nach dem Motto „wer nicht für mich ist, ist gegen mich“. „Als déformation professionelle kann Macht auch Abgehobenheit in Form von Siegermentalität, Narzismus, Abstand zur Belegschaft – der Chef besteht auf einem eigenen Aufzug – , zur Folge haben“, so Dr. Weiskopf. Dann seien nicht nur seelische Verwundungen bei den Betroffenen vorprogrammiert, sondern am Ende würden sich auch Phänomene wie Widerstände, innere Kündigung und Dienst nach Vorschrift deutlich in der Bilanz niederschlagen.
Aber es gibt Hoffnung: Dr. Weiskopf sieht mit der neuen Generation Y positive Veränderungen kommen. Wachsende Skepsis gegenüber Hierarchie und Macht führen dazu, dass Karrieremythen nicht mehr so leicht geglaubt werden. Sinn und Lebensfreude bekommen wieder einen höheren Stellenwert. Führung und Macht müssen sich also wandeln, wenn die Vision: „Niemand, weder Mitarbeiter noch Führungskräfte sollten ihr Arbeitsleben enttäuscht oder gar verbittert verlassen!“ Wirklichkeit werden soll. Hier liegt, so Dr. Weiskopf, „ein großes Aufgabenfeld für kritische Unterstützung von Führungskräften durch externe Sparringspartner wie meine Coach-Kollegen und mich. Wir halten Spiegel vor und geben Hilfen, gut und erfolgreich zu führen.“ Führungskräfte sollten sich also immer wieder bewusst machen, dass Führung Verantwortung bedeutet. Ohne die Leistung der Mitarbeiter kann eine Führungskraft nichts bewirken und jeder Mensch hat Anspruch auf einen respektvollen Umgang. Oder wie Dr. Weiskopf sein Abschluss-Credo formulierte: „Beim Spagat zwischen Produktivität und Menschlichkeit stets Mensch bleiben!“