16. April 2013 – Vortrag von Jürg Kohler zum Thema “Mikrofinanzkredite und Fair Trade Finanzierungen” – mehr als ein Trend?

An der April-Veranstaltung des SDW München – diesmal  in der Münchner Niederlassung der Credit Suisse –  nahmen rund 35 Mitglieder und Gäste teil. Die Räumlichkeiten befinden sich im traditionsreichen, ersten repräsentativen Neubarockgebäude Münchens, dem Bernheimer Palais, das auch durch die Affäre des Baulöwen Schneider bundesweit bekannt geworden ist.

Nach der Begrüßung durch Credit Suisse Abteilungsdirektorin und Vorstandsmitglied SDW Claudia Dittmar und Club-Präsident Jürgen Schneider machte uns der erfahrene Finanzfachmann Jürg Kohler, von der Schweizer Social Investment Firma „responsAbility“ anschaulich und lebhaft mit den Themen Mikrofinanzkredite und Fair Trade vertraut. Seit der Idee von Muhammad Yunus, dem Vater der Mikrokredite und Friedensnobelpreisträger, ist es möglich, Arme ohne Zugang zu Krediten, mit, nach profitablen und sicheren Anlagemöglichkeiten suchenden Investoren in den Industrieländern zusammenzuführen.

Ganz vorne dabei in diesem Geschäft: der weltweit führende Vermögensverwalter, die responsAbility AG aus Zürich. Die Firma verwaltet ein Vermögen von 1,4 Mrd. $, das in über 400 Unternehmen in rund 80 Ländern investiert ist. Gleich zu Beginn seiner Ausführungen beantwortete Kohler die Frage „mehr als ein Trend?“ mit einem eindeutigen „Ja!“ Anhand von zahlreichen Beispielen aus der Praxis zeigte Kohler anschließend wie Mikrofinanz für alle funktioniert und als erfolgreiches Geschäftsmodell umgesetzt wird. Zum Nutzen von Kleinunternehmern, die überwiegend Frauen sind und Fondsanlegern, die neben einem guten Gewissen auch eine auskömmliche Rendite in Zeiten historisch niedriger Anleihezinsen suchen. Die Renditechancen hängen dabei von der wirtschaftlichen Entwicklung in den einzelnen Ländern und von den Ausfallraten der Kredite ab.

Ein weiteres Betätigungsfeld von responsAbility ist Fair Trade –  ein Markt mit hohen Wachstumsraten: Fair gehandelte Produkte – Fair-Trade-Bananen aus Costa Rica, Schokolade aus Anbaugebieten rund um den Äquator oder Kaffee von peruanischen Kooperativen –  erfreuen sich steigender Beliebtheit bei den Konsumenten. Eine Fair Trade Banane kostet beispielsweise etwa 10 Prozent mehr als eine normale. Hinter der Produktion dieser Landwirtschaftsgüter stehen Kooperativen wie die Coopeterrazù in Costa Rica, in denen sich Kleinbauern in Entwicklungsländern zusammengeschlossen haben. Dort vor Ort wird auch demokratisch bestimmt, wofür die erzielte Prämie verwendet wird. Das Geld kann in Bildung, Infrastruktur, Qualitätsverbesserung und auch direkt an die Bauern fließen. Als Beispiel für ein aktuelles Fair Trade Projekt nannte Kohler die Canaan Palästina, die mit Olivenöl handelt und eine Exportvorfinanzierung von 500.000 $ zu einem Marktzins von 8,5 Prozent bekommen hat.

Zahlreichen Fragen der Zuhörer in der Diskussionsrunde zu Zinshöhe, Kreditausfallrisiko, Fondswährung, regionaler Verteilung der Investoren und Länderauswahl, zeigten das große Interesse am Thema. Nachdem der intellektuelle Appetit gestillt war, genossen alle gerne bei einem guten Glas Wein das delikate Buffet, das Koch Roger, bekannt von Veranstaltungen des Schweizer Vereins, für uns lecker angerichtet hatte. Herzlichen Dank an die Gastgeberin Claudia Dittmar mit ihren Helfern und Credit Suisse für die perfekte Ausrichtung dieses Abends.