17. September 2012: Vortrag von Gerhard Wüst zum Thema “Das neue Abkommen zum Doppelbesteuerungsabkommen”

Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz trifft fast jeden Auslandsschweizer. Nach der derzeitigen Planung soll das Abkommen am 1. Januar 2013 in Kraft treten – soll deshalb, weil das Abkommen momentan in Deutschland in der politischen Diskussion ist. Sicher ist, dass es kommt, nur nicht wann.

Unser Clubmitglied Gerhard Wüst, Steuerberater und vereidigter Buchprüfer, hat am Montag, den 17.9.2012 im Paulaner am Nockherberg unseren September-Club-Abend mit seinem Vortrag die rund 40 Mitglieder und Gäste ausführlich über die geplanten Änderungen um Steuergesetz informiert.

Die anschließende rege Diskussion zeigte, dass dieses Thema wohl alle irgendwie beschäftigt.

Gerhard Wüst begann mit allgemeinen Angaben zur Notwendigkeit von internationalen Abkommen zur Vermeidung einer echten Doppelbesteuerung für Personen, die in Deutschland ihren Wohnsitz haben und damit unbeschränkt einkommensteuerpflichtig mit ihrem „Welteinkommen“ sind. Basis für mittlerweile alle Abkommen ist das OECD-Musterabkommen, in dem das Besteuerungsrecht zwischen dem Staat, in dem die Einkünfte anfallen und evtl.  besteuert werden, und dem Staat, in dem der Empfänger wohnt und wiederum diese Einkünfte zu versteuern hätte, geregelt ist.

Von dem neuen Abkommen sind alle Schweizer mit Wohnsitz und unbeschränkter Steuerpflicht in Deutschland betroffen, die in der Schweiz ein Konto, Depot oder sonstige Geldanlagen unterhalten.

Die Schweizer Banken müssen nun – anders als bisher – von ihren Kunden, die bei ihnen am 31.12.2010 mit Wohnsitz Deutschland in der Kontenführung registriert waren, eine Erklärung einzuholen, ob die Einkünfte bisher bereits in Deutschland versteuert waren. War das nicht der Fall gibt es folgende Möglichkeiten:

  1. Die Freiwillige Meldung: der Kunde beauftragt die Bank zur Meldung an die deutschen Finanzbehörden, die dann eine Nachversteuerung vornehmen. Es liegt keine Steuerstraftat vor, allerdings sind die nachzuzahlenden Beträge mit 6 % jährlich zu verzinsen.
  2. Die Einmalzahlung: Wenn der  Kunde keine Erklärung vorlegt und weiterhin anonym bleiben möchte, muss die Bank innerhalb von 5 Monaten nach Inkrafttreten des Abkommens einen Betrag von mindestens 21 bis maximal 34 % des Vermögens abbuchen und anonym an Deutschland abzuführen. Mit dieser Zahlung sind die deutschen Steuern für die Vergangenheit abgegolten und der Kapitalstock bleibt anonym.
  3. Eine Möglichkeit, der Zahlung zu entgehen ist, das Konto innerhalb von 5 Monaten nach Inkrafttreten des Abkommens aufzulösen und das Vermögen in ein Drittland abzuziehen.
  4. Weiter bleibt bereits jetzt die Möglichkeit der strafbefreienden Selbstanzeige nach der deutschen Abgabenordnung, was eher bei geringen nach zu meldenden Beträgen vorteilhaft sein kann.

Am Rande wurde noch erwähnt, dass seit 5. April 2012 auch das geerbte Konto versteuert wird.

Nähere Einzelheiten können Sie gerne unter www.experten-haus.de erfahren.

Vita Gerhard Wüst: Jahrgang 1948, Ausbildung an der Beamtenfachschule und Tätigkeit bei Finanzamt in München; seit mehr als 25 Jahren selbstständig in allen Bereichen des Steuerrechts, Schwerpunkt Unternehmensbesteuerung, tätig; Erfahrung in der Betreuung von mittelständischen Mandanten von der Existenzgründung bis zum Einsatz von Beteiligungskapital; Referententätigkeit in der Nachwuchs Ausbildung sowie Weiterbildung von Berufskollegen.