22. Juni 2017 – Vortrag von Chefvolkswirt David Kohl

Der Vortrag von David Kohl, Chefvolkswirt Deutschland der Bank Julius Bär, mit dem Titel „150 Tage Trump – Welche Konsequenzen ergeben sich aus den zunehmenden politischen Risiken für den Wirtschaftsausblick und die Finanzmärkte?“ hat trotz des hochsommerlichen Wetters viele Mitglieder und Gäste in Münchens Traditionsgaststätte, das Hofbräuhaus, gelockt. In dem angenehmen temperierten Erkerzimmer im zweiten Obergeschoss des Hofbräuhauses, fern ab vom sonst dort herrschenden Trubel, wurden wir herzlich von Simone Helbig und unserem Vorstand und Initiator des Vortrags, Stefan Hansen, begrüßt. Nach einem erfrischenden Apéro ging es auch schon los. Zunächst stellte sich David Kohl, der seit 2003 Chefvolkswirt bei Julius Bär ist, vor und stieg in seinen Vortrag gleich mit der Frage ein, warum denn Trump überhaupt von den Amerikanern gewählt wurde. Seiner Überzeugung nach spiegelt die Wahl Trumps durch das amerikanische Volk nicht den Zeitgeist wider, sondern erfolgte aus ökonomischen Gründen. Die Ungleichheit zwischen den Volkswirtschaften und den Generationen bewegte wohl die Amerikaner zu dieser Wahlentscheidung. David Kohl zog auch den Vergleich zum Brexit. Dieser war nach seinen Worten auch ein Votum gegen die Ungleichheiten bei den Einkommen und zwischen den Generationen. Nach der Analyse des Volkswirts führen gerade diese Ungleichheit und die hohe Rigidität zu dem auch in Europa aufkeimenden Populismus.

Mit einigen Schaubildern verdeutlichte David Kohl seinen Zuhörern, dass sich die Angst vor einem Einbruch des Welthandels wegen des Protektionismus und der höheren Politikunsicherheit in den USA als unbegründet herausgestellt hat. Die Bedeutung der Politik in den USA auf den Welthandel ist geringer als befürchtet. Vielmehr überdeckt die herrschende Konjunkturdynamik die Politikunsicherheit und beflügelt die Aktienmärkte. Die Wirtschaft und nicht die Politik von Trump ist in den USA der maßgebliche Treiber für die Reflation und damit für die Finanzmärkte. Nach Ansicht von David Kohl sind gerade die von Trump propagierten Einschränkungen des Freihandels und der Immigration Inflationstreiber, denn der US-Arbeitsmarkt stößt mittlerweile an seine Kapazitätsgrenzen und aufgrund des zunehmenden Lohndrucks planen die Unternehmen Preiserhöhungen.

Zum Schluss seines Vortrags gab David Kohl noch einen kurzen Ausblick auf die europäische Geldpolitik der EZB und den zunehmenden Populismus. Nach seiner Ansicht stellt die Wahl in Italien im nächsten Jahr ein beträchtliches Risiko für den Euro und den Finanzmarkt dar. Bis dahin wird aber wohl Ruhe herrschen.

Sein Fazit aus 150 Tagen Trump zog David Kohl mit den Worten: „Die Konjunktur übertüncht alles“. Die Enttäuschung über die bisherige Politik von Trump hat zwar den Dollar belastet. Ansonsten ist die Bedeutung von Trumps Politik auf die Kapitalmärkte sehr gering. Die gute globale Konjunkturdynamik spielt die Hauptrolle. Die Inflation kehrt zurück und verdrängt die Ängste der letzten Jahre vor der Deflation. Einen gelungenen Abschluss fand der Vortrag mit einer regen Fragerunde des interessierten Publikums.