4. November 2015: Vortrag „Standortförderung in der Schweiz – Welche Vorteile hat eine Ansiedlung in der Schweiz?“

Am wohlige Wärme verbreitenden flackernden Kaminfeuer lässt es sich ablesen: Das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Und auch die Reihe der SDW München Vortragsveranstaltungen 2015. Mit dem Novembervortrag „Standortförderung in der Schweiz“ gelingt als Schlusspunkt ein wirkliches Highlight, sowohl thematisch als auch von der Präsentation her.
Das urige Kaminzimmer im Paulaner am Nockherberg ist randvoll gefüllt mit Mitgliedern und Gästen – auch Generalkonsul Fabian Osterwalder ist mit dabei. Alle erleben eine abwechslungsreiche, sehr informative Präsentation von drei hochkarätigen, ausgewiesenen Fachleuten auf dem Gebiet der Investitions- und Standortförderung.
Zum Vortragsteam gehören: Tobias Rühmann, Leiter von Switzerland Global Enterprise mit Sitz in Stuttgart sowie unsere beiden Mitglieder Rolf Bühler von der Greater Zurich Area AG und Peter Koch von der Wirtschaftsförderung Thurgau. Alle drei sitzen nicht nur im gleichen Boot der „Standortförderung Schweiz“, sondern frönen zuweilen auch zusammen – in einem realen Boot! – ihrem gemeinsamen Hobby Rudern, wie uns Clubpräsident Jürgen Schneider bei der Begrüßung wissen lässt.
Die Standortförderung des Bundes unterteilt sich in verschiedene Aktivitätsfelder: Exportförderung und Standortpromotion, KMU-Politik, Tourismuspolitik, Regional- und Raumordnungspolitik. Dazu einige ausgewählte Maßnahmen: Kleinere und Mittlere Unternehmen (KMU) können durch Bürgschaften und administrative Entlastung unterstützt werden. Auch im Tourismus kann es Geld für ausgewählte Projekte geben: Zum Beispiel für landschaftlich reizvolle E-Bike-Routen in Nationalparks oder auch mal zum Ausbau von landschaftlich schön gelegenen Heuschobern, um sie zum Übernachten geeignet zu machen. Im Rahmen von Regional-und Raumordnungsprogrammen soll die Wettbewerbsfähigkeit der Regionen gestärkt werden. Hierunter fallen dann Projekte wie die wirtschaftliche Stützung von Seilbahnen, die für den Tourismus bedeutsam sind, sich aber wirtschaftlich nicht rechnen.
Hohe ProfessionaIität verlangt insbesondere die im internationalen Wettbewerb stehende Standortpromotion. Andere europäische Standorte wie die irische Metropolregion Dublin konkurrieren mit fast schon unmoralischen Angeboten: „… any person who introduces a company to ConnectIreland which creates jobs in Ireland the Irish Government will pay a minimum of Euro 1’500 per job….” Es gilt also alle Register zu ziehen, um im harten Ansiedlungswettbewerb mithalten zu können. Die Schweiz steht ohne Zweifel durch objektivierbare Kriterien in vorderster Reihe: Politische Stabilität und Rechtssicherheit, Zugang zu Schlüsselmärkten und hervorragende Infrastruktur, gut ausgebildete Arbeitskräfte, sehr hohe Lebensqualität und attraktive steuerliche Rahmenbedingungen machen die Schweiz zum exzellenten Standort. Aber dies alleine garantiert nicht immer den Erfolg. Ein Argument allerdings ist unschlagbar: „Das Matterhorn gibt es eben nur in der Schweiz“, wie Rolf Bühler es mit einem Augenzwinkern formuliert. Das mache das Land als Standort einzigartig.
Für welche Unternehmen ist die Schweiz besonders attraktiv? Für Unternehmen mit umfangreicher Wertschöpfung. Auch für solche, die eine zentrale Lage in Europa suchen sowie für Unternehmen, die Bedarf an Führung und Finanzierung ihrer weltweit verteilten Wertschöpfungsketten haben. Es ist aber ein kundenorientiertes, wie ein Uhrwerk verzahntes, Standortmarketing erforderlich, um mit der Botschaft „die Schweiz ist die richtige Standortwahl“, den Unternehmer zur Ansiedlungsentscheidung zu veranlassen.
Hauptbeteiligte in diesem komplexen Überzeugungsprozess sind Switzerland Global Enterprise, kantonale, regionale und städtische Wirtschaftsförderung, Regionen, diplomatische Vertretungen und Multiplikatoren. Die richtige Orchestrierung der von Fall zu Fall jeweils sehr individuellen Vorgehensweise bringt dann den Erfolg. Beispielhaft sei hier ein renommiertes Unternehmen wie die schwäbische Firma Stihl genannt, die heute auf die Produktion der hochwertigen Ketten ihrer Sägen in der Schweiz setzt. Durch erzielte hohe Produktivität und Spitzenqualität geht die Rechnung für Stihl auf. Aber auch für die Schweiz. Die Unternehmensberatung McKinsey hat das einmal exemplarisch am volkswirtschaftlichen Potenzial eines angesiedelten Hauptsitzes durchgerechnet: 100 direkte neue Arbeitsplätze eines Headquarters ziehen indirekt weitere 350 bis 400 neue Stellen nach sich. Dies schlägt sich in einem Gesamtnutzen beim volkswirtschaftlichen Bruttoinlandsprodukt von respektablen 75 bis 80 Millionen CHF pro Jahr nieder.
Ein spannendes, hochinteressantes Thema, das auch noch zu reger Diskussion führte. Themen wie der Umgang Schweizer Steuerbehörden mit Fragen und Problemen ihrer Kunden, Steuereffizienz der Schweiz, die Fachkräftefrage besonders im IT-Bereich, der Nutzen des Freihandelsabkommens zwischen China und der Schweiz kamen hier noch zur Sprache. Durchaus genügend Stoff also, das Thema Standortförderung in der Zukunft wieder einmal aufzugreifen.

Th. Ruhnke