5. Juni: Vortrag von Frau Verena Steiger zum Thema “Die Genossenschaft Migros Zürich im Wandel”

„Ohne Spickzettel ist eine Vorstellung bei Ihnen fast nicht möglich.“ Mit diesen Worten kündigte SDW-Präsident Jürgen Schneider die Referentin des Abends den sehr zahlreich erschienenen Mitgliedern und Gästen der Juniveranstaltung des Clubs im Paulaner am Nockherberg an: Verena Steiger, die nach beruflichen Stationen wie Lehrerin am Gymnasium und Flight Attendant bei der Swissair seit 2006 als Mitglied der Geschäftsleitung der Genossenschaft Migros Zürich für Personelles und Ausbildung verantwortlich zeichnet. In diesem Jahr hat sie auch noch die Leitung der Klubschule zusätzlich übernommen. Eine Frauenkarriere, die neugierig machte auf ein Schweizer Parade-Unternehmen, das bei seiner Gründung 1925 durch den Pionier und Visionär Gottlieb Duttweiler mit dem Ziel angetreten war, den Lebensmittelhandel zu revolutionieren und heute die stärkste Marke der Schweiz ist.
„Alles begann mit neun Verkaufswagen und der Idee Produkte in kleineren Einheiten zum Großhandelspreis an begeisterte Hausfrauen zu bringen“, so Verena Steiger. Trotz hartem Gegenwind von Seiten angestammter Lebensmittelhändler entwickelte sich das Unternehmen aber schnell weiter. Um nur einige Schritte zu nennen: Der erste Laden 1926. Eine Produktionsstätte für Süssmost, als Beitrag gegen zunehmenden Alkoholkonsum in der Schweiz, zwei Jahre später. 1935 der Einstieg in den Tourismus durch Gründung eines Reisebüros. 1948 erster Selbstbedienungsladen in der Schweiz. Heute umfasst die Migros-Gruppe so unterschiedliche Geschäftssparten wie eine eigene Bank, eine der größten Pensionskassen der Schweiz, viele Aktivitäten im Bereich Kultur und Bildung, getreu dem Wahlspruch des Gründers „das Volk soll zu Bildung kommen“: Als Herzstück die Klubschule Migros, größte Erwachsenenbildungs-Institution der Schweiz, und einen Sprachreiseanbieter. Verena Steiger: „Finanziert wird das mit dem genannten Migros Kulturprozent aus den Einnahmen des Konzerns. Ein Prozent des Umsatzes wird jedes Jahr in diesen Bereich gesteckt.“ Neben eigenen Produktionsbetrieben in der Unternehmensgruppe Migros-Industrie betreibt die Migros auch mehrere Freizeit- und Sportbetriebe – seit 2012 unter der Marke Elements auch in Deutschland. Nicht zuletzt ist die Migros auch in der Gastronomie und im Bereich Elektroautos und -fahrräder aktiv.
Konsequent war es für den nachhaltig denkenden, christlich geprägten und an Partizipation im Unternehmen interessierten Gottlieb Duttweiler, über die Genossenschaftsidee die Bevölkerung am Erfolg des Unternehmens zu beteiligen. Heute sind die regionalen Genossenschaften im Eigentum von Mitgliedern. Da jede Person oder jeder Haushalt Mitglied werden kann, ist das Unternehmen breit in der Bevölkerung verankert.
Ende 2012 hat die Migros Genossenschaft Zürich, eine von insgesamt zehn regionalen Genossenschaften in der Schweiz, den deutschen Lebensmitteleinzelhändler „tegut“ aus Fulda mit rund 280 Lebensmittelmärkten gekauft, der weiter unter seinem Namen firmiert. Die Erfolgsgeschichte Migros geht also auch auf dem deutschen Markt weiter. Eine Entwicklung, die sicher auch die anwesenden Vertreter des Generalkonsulats München, Generalkonsul Fabian Osterwalder und Konsul Frank Nohl in Zukunft mit Interesse verfolgen werden. Nach einer sehr regen Diskussion und einem Riesenapplaus für die sympathische Powerfrau Verena Steiger folgte der informelle Teil des Clubabends.