9. Juni 2016: Vortrag Prof. Dr. Egon Endres zum Thema „Erfolgsbausteine des Netzwerkmanagements“

Am 9. Juni, gleich im Anschluss an die Mitgliederversammlung, kamen die anwesenden Mitglieder und die Gäste in den Genuss eines Vortrages von Prof. Dr. Egon Endres zum Thema „Erfolgsbausteine des Netzwerkmanagements“. Als Sozialwissenschaftler beschäftigt er sich schon seit langem mit Netzwerkforschung. Diesmal ging es aber nicht um soziale Netzwerke wie Facebook, sondern um Netzwerke in der Gesellschaft oder in Unternehmen, von denen wir zum Teil nicht einmal wissen, dass wir Teil davon sind.

Im ersten Teil gab Prof. Endres einen Überblick über aktuelle Forschungsansätze und Modelle in der Soziometrie. So ist es z.B. durch Experimente empirisch bewiesen, dass jeder Mensch über maximal 6 „Ecken“ mit jedem anderen bekannt ist. Netzwerke sind auch sehr verschieden organisiert, so kann das eine machtbetont sein mit einer Schlüsselperson, die alle Verbindungen kontrolliert, oder aber es ist sehr kommunikativ, d.h. jeder ist mit jedem vernetzt und es gibt keine Kontrolle.
Geforscht wird auch auf dem Gebiet der schwachen Beziehungen. Das sind die indirekten Beziehungen, z.B. die Freunde der Freunde eines Bekannten. Hier zeigt sich, dass diese weitentfernten Beziehungen im Leben oft wertvoller sind, als die direkten, die starken Beziehungen. Dies gilt aber z.B. nicht im Topmanagement – hier sind direkte „Seilschaften“ unentbehrlich.

Nach dieser eher theoretischen, aber keineswegs langweiligen Einführung, ging Prof. Endres auf die 7 Erfolgsbausteine des Netzwerkmanagements ein. Diese finden Sie übrigens in seiner beigefügten Präsentation.
Diese Bausteine hat er sich nicht einfach ausgedacht, sondern sie haben sich durch zahllose Gespräche mit Unternehmern, Netzwerkern und Managern aus deren Erfahrungsschatz herausdestilliert. Sehr interessant ist vor allem die Erkenntnis, dass ein Netzwerk nur funktioniert, wenn alle 7 Bausteine intakt sind – wird einer verletzt, wird das Netzwerk nicht leben.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt für das Funktionieren von Netzwerken in Unternehmen sind die sogenannten Grenzgänger. Sie wirken Netzwerkübergreifend und können Lücken oder Löcher in Netzwerken schließen. Sie sind überparteilich, überwinden Organisationsgrenzen und Hierarchiestufen, und bringen so Kompetenzen, Wissen und Erfahrungen aus verschiedenen Netzwerken zusammen.

Aus den Fragen und der Diskussion im Anschluss ans Referat hat sich gezeigt, dass es auch im Jahre 2016 in der Wirtschaft noch nicht genügend Grenzgängerinnen gibt, um Frauen in althergebrachten Männernetzwerken ihren Platz einzuräumen. Woran das genau liegt konnte auch Prof. Endres nur vermuten – der Sozialforschung zu Netzwerken gehen also die Themen nicht aus.

Thomas Berger