9. Oktober 2012: Vortrag von Helen Bögle und Conradin Rüegg zum Thema „Ansiedelung von natürlichen und juristischen Personen in der Schweiz unter Berücksichtigung einer föderalistischen Steuerpraxis“

„Ich habe bei einigen Ausführungen gedacht, ich träume.“ So äußerte sich SDW-Präsident Jürgen Schneider, überrascht und sehr angetan, nach dem Vortrag der schweizerischen Essentia Management über das Thema Ansiedelung in der Schweiz.

Rund 20 Mitglieder und Gäste hatten es sich nicht nehmen lassen, in gemütlicher Atmosphäre – wärmendes Kaminfeuer trug dazu bei –  am Oktober-Clubabend des SDW München im Paulaner am Nockherberg einem auf den ersten Blick eher trockenen Thema ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Sie wurden nicht enttäuscht! Der locker und auch für Laien gut verständliche Vortrag von Conradin S. Rüegg brachte in der Tat erstaunliche und interessante Aspekte zum Thema Ansiedelung und Steuerpraxis in der Schweiz zur Sprache. So war etwa die Rede von Bürgermeistern, die wie Unternehmer handeln, von Steuerbeamten, die ihre Kunden „pfleglich behandeln“ und mit denen im Vorfeld steuerliche Fragen zur beiderseitigen Zufriedenheit geklärt werden können (Steuerruling). Außerdem von Begriffen wie Flat-Tax und Pauschalbesteuerung. Alles Dinge, die viele aus ihren bisherigen Erfahrungen mit einschlägigen Behörden nicht kannten, die aber in der Schweiz praktiziert werden und Erfolgsfaktoren eines „Engelskreises“ (Gegenteil von Teufelskreis) sind, der im Endeffekt zu Vollbeschäftigung und niedrigen Steuern dort führt.

Im Mittelpunkt der Ansiedelungsüberlegungen steht das föderalistische Steuersystem der Schweiz. Es führt zu stark unterschiedlichen Belastungen je nach Wohnort und hat einen intensiven Steuerwettbewerb zwischen den einzelnen Gebietskörperschaften zur Folge. Kantone und Gemeinden legen ihre Steuersätze, Bemessungsgrundlagen und auch indirekte Abgaben selbst fest. So haben die Kantone Obwalden und Schaffhausen die bereits erwähnte Flat-Tax eingeführt. In anderen Kantonen, wie zum Beispiel Zürich und St. Gallen, ist hingegen die Abschaffung der Pauschalbesteuerung nach Aufwand beschlossen worden.

Weiter wurde erläutert, dass die Ansiedelungsberatung über die steuerliche Thematik hinaus ein ganzheitliches Know how erfordert. Denn neben den Steueraspekten spielen auch Faktoren wie die politische Stabilität, die sehr hohe Lebensqualität und das überdurchschnittliche Bildungswesen eine Rolle, dass Menschen sich entscheiden, in der Schweiz ihren Lebensabend zu verbringen oder ihre unternehmerischen oder sonstigen beruflichen Ziele dort zu verfolgen.

Essentia Management Geschäftsführerin Helen Bögle betonte in der Diskussion, dass jede Ansiedelung „ein echtes Unikat“ sei und dass es sich um ein „sehr persönliches Geschäft mit sehr viel Herzblut“ handele, wo man auch schon mal 24 Stunden am Tag für die Kunden da sein müsse.

Ein gelungener Abend, der ausreichend Gesprächsstoff für weiterführende Diskussionen bot.