SDW Clubreise Sommer 2012 in die Ostschweiz (30.6./1.7.)

Die schon traditionelle Clubreise in die Schweiz führte uns in diesem Jahr in den ostschweizer Kanton Thurgau. Die rund 20 Teilnehmer sahen neben dem IWC-Uhrenmuseum viel kulturhistorisch Bedeutsames wie die ehemalige Kartause Ittingen oder das Napoleonschloss Arenenberg, großartiges Landschaftsschauspiel wie den Schaffhauser Rheinfall und immer wieder Apfelbaumwiesen. Aber auch Unerwartetes gehört zum Reisen dazu: Planung ist das eine –  Überraschungen lassen sich andererseits nicht ausschließen. So musste auch bei dieser Reise mal improvisiert werden. Am Ende aber kamen doch alle, mit vielen neuen Eindrücken, wohlbehalten und glücklich wieder nach Hause.

Am ersten Reisetag gelangten wir über das idyllische Bodenseestädtchen Meersburg mit der Fähre in die Konzilsstadt Konstanz und weiter auf die Schweizer Seite des Bodensees, an das malerische Ufer des Untersees. Von dieser naturbelassenen Seeseite aus hatten wir einen guten Blick auf die größte Insel des Sees, die Reichenau. Die Insel, mit dem gleichnamigen mittelalterlichen Benediktinerkloster, steht seit dem Jahr 2000 auf der UNESCO-Liste des Welterbes verzeichnet. Aus zeitlichen Gründen besichtigte nur ein Teil der Gruppe das Museum der Schweizer Uhrenmanufaktur IWC in Schaffhausen, wo Meisterwerke der gehobenen Horlogerie hergestellt werden.  Währenddessen aßen die Anderen im traditionsreichen Hotel Kronenhof zu Mittag. Wieder im Zeitplan, erklärte uns allen dann gemeinsam Stadtführerin Veronika die Sehenswürdigkeiten der nördlichsten Stadt der Schweiz mit ihren zahlreichen Renaissancegebäuden. Wegen 171 Erkern bekam Schaffhausen den Beinamen Erkerstadt.

Anschließend kam mit dem Rheinfall von Schaffhausen der spektakulärste Besichtigungspunkt des Tages, da waren sich alle Teilnehmer einig: Das grandiose Schauspiel des größten Wasserfalls Europas, der erdgeschichtlich vor rund 17.000 Jahren entstanden ist. Heute zieht dieser gewaltige Wassersturz jährlich über eine Million Besucher aus aller Welt in seinen Bann. Viele unserer Gruppe wagten sich mit dem Boot in die tosende Gischt und erklommen sogar den Felsen, den höchsten Punkt des Falls. Respekt für alle, die das geschafft haben! konnte es einem beim Blick in die glitzernden, brausenden Wassermassen – auf einer Breite von 150 Metern stürzen jede Sekunde 700.000 Liter über eine Klippe von 23 Metern Höhe – doch wirklich schwindlig werden! Ein unvergessliches Erlebnis.

Dem ruhigeren Teil des Tages und dem Nachtlager entgegen ging es dann weiter zur Kartause Ittingen. In der Nähe von Frauenfeld, malerisch oberhalb des Thurtales gelegen, ist sie ein ehemaliges Kloster der Kartäuser und heute Schulungszentrum mit Museen, Kirche, Hotelanlage, Restaurants und Gutsbetrieb. Bei einem köstlichen Abendmenü und gutem Wein – gänzlich aus regionaler Produktion – konnten wir es uns trotz Blitz, Regen und Donner gut gehen lassen und entspannen. In sehr gepflegter und gemütlicher, rustikaler Atmosphäre ließen wir den ereignisreichen Tag in angeregten Gesprächen ausklingen. Viel Gelegenheit für die Teilnehmer sich näher kennenzulernen.

Am nächsten Morgen starteten wir, gestärkt nach einem guten und reichhaltigen Frühstück, zu unserer zweiten Tages-Etappe, die uns zuerst nach Stein am Rhein führte. Ein altes, charmantes, kleines Städtchen mit wunderbaren Fassadenmalereien und verträumten Gassen. Dieses einzigartige Kleinod, eingebettet in eine paradiesische Landschaft an Untersee und Rhein, war den kleinen Abstecher wert!

Unser touristisches Hauptziel des Tages war dann das Napoleonmuseum Arenenberg, ein Schloss am Untersee in der Gemeinde Salenstein. Historische Bedeutung erlangte das Anwesen als Wohnsitz von Hortense de Beauharnais, vormals holländische Königin, und Mutter des späteren französischen Kaisers Napoleon III. Die Einrichtung des heutigen Museums besteht weitgehend aus der originalen Möblierung.  Nach einem feinen Mittagessen im Bistro Louis Napoleon erwartete uns noch ein ganz besonderer Programmpunkt, fast familiärer Art. Wir waren alle zu Kaffee und Kuchen auf dem Feierlenhof in der Nähe eingeladen. Dort bekamen wir von der Bauernfamilie neben Selbstgebackenem einen kleinen Einblick in den bäuerlichen Alltag mit seiner Arbeit, seinen Freuden, aber auch seinen Problemen in der heutigen Welt. Das war hochinteressant. Gerne hätten wir noch länger verweilt, aber die Zeit war knapp und reichte gerade noch zum Kirschen pflücken – ein Erlebnis wie aus Kindertagen.

Dann ging es weiter zur Fähre nach Romanshorn. Auf der Überfahrt, die 70 Straßenkilometer erspart,  dann ein letzter Blick auf das große, unter dunklen Wolken, fast schwarz wirkende Schwäbische Meer. Unbemerkt passierten wir bei unserer Traverse fast die tiefste Stelle des Sees mit 254 Metern. Am Horizont zuckten zuweilen zahlreiche Blitze und man konnte noch einen schemenhaften Blick auf die Appenzeller Berge mit dem Säntis erhaschen. Bald hatte uns in Friedrichshafen das deutsche Ufer wieder und es ging auf direktem Weg zurück nach München.

Dieser Reisebericht wäre aber unvollständig, würde nicht noch über einen integralen Bestandteil und Erfolgsfaktor dieser Reise geredet werden: Immer wieder auf dieser Fahrt erzählte uns Anton Gälli auf unterhaltsame Weise und gut verständlich Interessantes und Bemerkenswertes über die Dinge, die am Wege lagen. Wir bedanken uns herzlich, dass wir so von seiner intensiven Beschäftigung mit Bayern, der Schweiz und den nachbarschaftlichen Beziehungen beider Länder, Gälli war drei Jahrzehnte Bayernkorrespondent der Neuen Zürcher Zeitung, unmittelbar profitieren konnten und die Reiseeindrücke auf diese Weise fachlich fundiert und unterhaltsam abgerundet wurden. Vieles davon kann in seinem Buch „Bayern und die Schweiz – Nahe und ferne Nachbarn im Laufe ihrer Geschichte“ nachgelesen werden.