Vortrag Ruth Diggelmann am 5. April 2016: Die Deutsche Bahn – Projekt „Erdinger Ringschluss“

Vortrag Ruth Diggelmann am 5. April 2016: Die Deutsche Bahn – Projekt „Erdinger Ringschluss“
SDW Clubmitglied Ruth Diggelmann ermöglichte uns mit der Präsentation eines hochaktuellen Projekts der Deutsche Bahn AG einen interessanten Einblick in das heute weltweit führende Mobilitäts-und Logistikunternehmen. Mit über 300.000 Mitarbeitern, davon rund 200.000 in Deutschland, stellt die DB täglich Mobilität und Logistik für ihre Kunden bereit. Ein funktionierendes Schienenverkehrsnetz ist dafür Voraussetzung. Hier kommt Ruth Diggelmann ins Spiel. Seit Planungsbeginn im August 2006 trägt sie die Verantwortung für das Bahninfrastrukturprojekt „Erdinger Ringschluss“, welches die Schienenanbindung des Münchner Flughafens im Erdinger Moos erheblich verbessern soll.

Rund 40 Teilnehmer, darunter der amtierende Generalkonsul Frank Nohl, hatten sich zum Club-Vortrag „Erdinger Ringschluss“, wie gewohnt im Paulaner am Nockherberg eingefunden. Dieses Mal nicht im traditionellen Kaminzimmer, sondern im Raum München, wo SDW Clubpräsident Jürgen Schneider uns die gelernte Tiefbauingenieurin Ruth Diggelmann als erfahrene Managerin komplexer Bauvorhaben vorstellte.

Sie erläuterte in ihrem Vortrag sehr anschaulich, wie das Projekt im einzelnen aussieht: Der „Erdinger Ringschluss“ ist als rund 30 km lange, zweigleisige Bahnstrecke geplant, die teilweise neu gebaut werden muss. Dieser Ringschluss soll Freising über den Flughafen München mit Erding verbinden. Zum einen geht es dabei um die direkte, umsteigefreie Anbindung Nordost-Bayerns an den Flughafen München für den regionalen Personenverkehr. Dafür ist die „Neufahrner Nordkurve“ vorgesehen. Die Reisenden aus Regenburg oder anderen Städten im Nordosten Bayerns brauchen nach deren Fertigstellung nicht mehr über München zu fahren, um den Flughafen zu erreichen. Zum anderen geht es um die Verlängerung der S 2 bis zum Flughafen, die jetzt bereits in Erding endet. Geplant ist außerdem eine direkte, umsteigefreie Anbindung Südost-Bayerns an den Flughafen für den Personenverkehr, die „Walpertskirchener Spange“. Nach deren Fertigstellung müssen auch die Reisenden aus Südost-Bayern, aus Städten wie Mühldorf, Freilassing, auf dem Weg zum Flughafen nicht mehr den Umweg über München nehmen.

Die Referentin wurde von ihrem Vorgesetzten bei der DB, Bernd Pfeifer, und ihrer Mitarbeiterin Maria Corts-Bernia begleitet, welche sie tatkräftig bei der Präsentation unterstützte. Das auf den ersten Blick eher trockene Thema brachte sie sehr locker, entspannt und witzig rüber. Es wurde deutlich, dass sie sich voll mit diesem wichtigen Schienenprojekt persönlich stark identifiziert. Kein Wunder, dass es inzwischen quasi „ihr Baby“ geworden ist. Schließlich leitet sie das Projekt seit fast 10 Jahren.

Schaut man bei einem solchen Riesenvorhaben einmal genauer hin, scheint es fast unglaublich, was dabei alles auf die Reihe zu bringen ist: Land muss gekauft werden. Mit den Eigentümern, zumeist Bauern, sind die fälligen Entschädigungen auszuhandeln. Klappt dies nicht, muss in letzter Instanz ein Enteignungsverfahren durchgeführt werden. Weiterhin sind inzwischen mehr als 150 Einwendungen aufgelaufen, die bearbeitet werden müssen. Gefährdete Tiere, die unter Schutz stehen, müssen auf geeignete Ausgleichsflächen umgesiedelt werden. Leicht überspitzt gesagt, bedeutet das: erst wenn der letzte Vogel und die letzte Zaun-Eidechse das Gebiet verlassen haben, kann es weitergehen. Und dann gibt es auch immer wieder Sonderwünsche. Die Stadt Erding möchte z.B. einen Tunnel für die neue Strecke. „Kein Problem“, meint Ruth Diggelmann lapidar, „wenn sie es bezahlen“. Für all diese Aufgaben trägt unser Clubmitglied die Verantwortung. Anhand von informativen Fotos brachte sie uns die Vielfalt des Projekts noch näher.

Unser Resümee lautet: ohne Ruth Diggelmann wäre das Projekt wohl nicht so weit fortgeschritten wie jetzt.

Ein spannender, sehr lehrreicher Abend, an dem wir hinter die Kulissen dieses gigantischen Bahnprojekts blicken durften. Zur Vertiefung unserer gewonnenen Einsichten hat uns Ruth Diggelmann zu einer Besichtigung der Baustelle eingeladen, die am 30.04.2016, Treffpunkt an der U-Bahn-Station „Nordfriedhof“ um 13.00 Uhr, stattfinden wird (sh. dazu das bereits übersandte Mail vom 12.04.2016).

Thomas Ruhnke